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Läuft bei denen

Von KIM BJÖRN BECKER

05.11.2019 · Luxemburg ist gerade mal so groß wie das Saarland. Doch das Großherzogtum im Herzen Europas wächst und gewinnt politisch an Profil – und das, obgleich sich der wohl prominenteste Bürger des Landes bald von der großen Bühne zurückzieht.

D ie Leute stehen Schlange, um den Mann noch einmal zu erleben, solange er im Amt ist. Sie stehen vor dem Haupteingang, die Menschenkette reicht die sechs Stufen hinunter auf den Bürgersteig, dann rechts herum, über den Parkplatz, am rot-weißen Absperrband entlang bis hinüber zum Beginn der Fußgängerzone. Sie stehen in der Abendsonne und warten, um Juncker zu sehen und zu hören. Ihren Jean-Claude Juncker.

Willkommen in Echternach, einem Ort von 5600 Einwohnern im Osten Luxemburgs. Bis zur Landesgrenze sind es nur wenige Meter, erst die Rue de la Montagne hinunter, dann links in die Rue de la Sûre. Die führt geradewegs auf eine kleine Brücke. Unter ihr fließt die Sauer – die Sûre, wie sie auf Französisch heißt – und auf der anderen Seite ist schon die Bundesrepublik. Luxemburg liegt mitten in Europa, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Es hat 356 Kilometer gemeinsamer Grenzen mit drei Ländern, Deutschland, Frankreich und Belgien. Vor allem aber ist es die Heimat von Jean-Claude Juncker, dem scheidenden Präsidenten der EU-Kommission. Juncker war zwar nicht der erste Luxemburger in diesem Amt, aber der markanteste. In den fünf Jahren wuschelte der Mann mit einem Grinsen im Gesicht durch fremder Leute Haare, zog an Krawatten, küsste, würgte und tätschelte sich durch Brüssel wie niemand zuvor. Bald gibt er seinen Posten an die deutlich reserviertere Ursula von der Leyen ab, etwas später als ursprünglich geplant, aber was macht das schon. Der Abschied von seinen Landsleuten hat ohnehin längst begonnen.

Blick aus dem Weinberg auf die luxemburgische Moselgemeinde Schengen im Dreiländereck von Luxemburg, Deutschland und Frankreich. Foto: Frank Röth

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