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Lutz Bachmann : Pegida-Frontmann im Visier

  • Aktualisiert am

Lutz Bachmann auf einer Pegida-Demonstration im Dezember Bild: dpa

Der Initiator der Pegida-Demonstrationen steht seit Monaten im Scheinwerferlicht. Anhänger bescheinigen Lutz Bachmann Charisma, Kritiker nennen ihn einen Heuchler.

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          Lutz Bachmann ist das prominenteste Gesicht von Pegida. Der Dresdner gilt als Initiator der Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, die in der sächsischen Landeshauptstadt seit Mitte Oktober regelmäßig Demonstrationen organisiert und dabei Woche für Woche mehr Menschen hinter sich geschart hatte. Bislang genoss Bachmann das Scheinwerferlicht. Jetzt ist wohl selbst ins Visier von Terroristen geraten. Wie die Pegida-Mitbegründerin Kathrin Oertel am Sonntagabend in der ARD sagte, gebe es eine gezielte
          Drohung gegen den Pegida-Organisator Lutz Bachmann. Wegen der Morddrohung, die zunächst unbestätigt geblieben war, hat die die Dresdner Polizei für Montag ein Versammlungsverbot erlassen.

          Der 41 Jahre alte gelernte Koch mit der hühnenhaften Statur und dem gegelten Kurzhaar ist eine schillernde Figur. Bachmann ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls und Drogendelikten. Seinem Ansehen unter den Pegida-Anhängern hat das augenscheinlich nicht geschadet. Bachmanns Kritiker nennen es heuchlerisch, dass ausgerechnet ein Mann mit einer kriminellen Vergangenheit gegen kriminelle Ausländer wettert.

          Muss Bachmann wieder ins Gefängnis?

          An Bachmanns Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab, er sei auch kein Rassist. „Ich habe einen türkischen Trauzeugen und viele muslimische Freunde.“ Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt.

          Bachmann gibt sich bürgerlich. Drei Jahre nach der Wende gründete er nach eigenen Angaben eine kleine Foto- und Werbeagentur. Danach geriet er gleich mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und wurde verurteilt. Noch vor Haftantritt setzte er sich nach Südafrika ab, wo er Grafik und Design studiert haben will. Recherchen von Journalisten an der Universität von Kapstadt führten jedoch ins Leere.

          Im Jahr 2000 kehrte Bachmann zurück nach Deutschland, stellte sich und kam ins Gefängnis. 2010 wurde er wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Als seine kriminelle Vergangenheit im Zuge der Pegida-Proteste zum Thema wurde, stellte er kurzzeitig seinen Rückzug aus dem Rampenlicht in Aussicht - um eine Woche später doch wieder als Redner aufzutreten.

          Mitte März könnte sich entscheiden, ob Bachmann vielleicht wieder ins Gefängnis muss. Dann beginnt vor dem Landgericht Dresden ein Berufungsprozess, in dem es um angeblich nicht geleistete Unterhaltszahlungen für Bachmanns Sohn geht.

          Bachmann war deshalb im Frühjahr 2014 vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft haben Berufung dagegen eingelegt. Bachmann war im fraglichen Zeitraum nur auf Bewährung frei. Sollte auch das Landgericht ihn schuldig sprechen, könnte eine Aufhebung der Bewährung geprüft werden. Dann wäre auch Gefängnis möglich.

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