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Lucas Papademos : Der Retter

Der Retter: Lucas Papademos Bild: AFP

Er ist der einzige, dem die Geldgeber zutrauen, Griechenland zu retten: Mit einem Kraftakt führte Lucas Papademos das Land einst in den Euro, nun soll der pragmatische Finanzfachmann ihn den Griechen erhalten.

          Lucas Papademos wird es nun doch. Bereits am Montag war er als wahrscheinlicher Nachfolger von Giorgos Papandreou als griechischer Ministerpräsident genannt worden. Dann tauchten Namen von Politfunktionären auf und wieder ab. Am vierten Tag eines unwürdigen Schauspiels einigten sich die Spitzen der Politik auf den einzigen, dem auch die Geldgeber Griechenlands zutrauen, das Land zu retten. Papademos hatte Griechenland mit einem Kraftakt in den Euro geführt, nun soll er mit einem neuen Kraftakt den Griechen den Euro erhalten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Er hatte als Gouverneur der griechischen Zentralbank vor einem Jahrzehnt zum Kreis um den damaligen Ministerpräsidenten Kostas Simitis gehört, der die einzigen nennenswerten Strukturreformen Griechenlands in der Nachkriegszeit ausgearbeitet hat. Als die Anfrage kam, für einige Monate den Posten des Regierungschefs zu übernehmen, war es kein Zufall, dass Papademos zunächst seinen Freund Simitis um Rat gebeten hat.

          Der disziplinierte Papademos wäre nicht er selbst, hätte er die Bitte ausgeschlagen. Als strategischer Denker knüpfte er seine Bereitschaft aber an Bedingungen, die die Erfolgschancen seiner eigentlich unmöglichen Mission erhöhen sollen und zunächst abgelehnt wurden. So will er gewichtige Politiker der beiden großen Parteien Pasok und Nea Dimokratia in das Kabinett einbinden, damit sie sich nicht mit dem Blick auf die nächsten Wahlen aus der Verantwortung stehlen können.

          Glücksfall für Griechenland

          Papademos ist ein Glücksfall für Griechenland. Wenige Griechen verfügen über das uneingeschränkte internationale Ansehen und die Glaubwürdigkeit wie der Professor aus Harvard, der so anders ist als die herkömmliche Klasse der griechischen Politik. Für ihn zählen nicht Ego und Starallüren, sondern Kompetenz und Gradlinigkeit. In seiner Zeit als Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2002 bis 2010 erwarb er sich mit seiner klaren Argumentation und seinem Bekenntnis zu den Stabilitätskriterien über die Finanzwelt hinaus Anerkennung. Eine andere Herausforderung wird für ihn nun sein, auf das glatte politische Parkett zu treten und gegen den Druck der Straße die unpopulären Maßnahmen zu verwirklichen.

          Wieder einmal kehrt der polyglotte Papademos nach Griechenland zurück. Seine Heimatstadt Athen, in der er 1947 geboren wurde, hatte er erstmals nach der Schule verlassen, um am Massachusetts Institute of Technology Physik zu studieren und 1972 einen Master als Elektroingenieur zu erwerben. 1978 folgte die Promotion in den Wirtschaftswissenschaften. Er lehrte bis 1988 an der Columbia University in New York, von 1988 bis 1993 in Athen.

          Seit 1985 war er Chefökonom der griechischen Zentralbank, 1993 wurde er zum Vizegouverneur berufen, ein Jahr später zum Gouverneur. In diesem Amt wurde der über alle Parteigrenzen geachtete Papademos zum Architekten des griechischen Eurobeitritts. Es muss ihn zum Verzweifeln gebracht haben, als er von 2002 an als Vizepräsident der EZB zusehen musste, wie unfähige Politiker sein Werk nach und nach ruinierten. Nun hat er die Chance, sein Werk zumindest teilweise wiederherzustellen.

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