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Lord Maurice Saatchi : Der Designer

  • -Aktualisiert am

Lord Maurice Saatchi (2003) Bild: AP

Lord Maurice Saatchi stellt das Bild der britischen Konservativen von den Füßen auf den Kopf. Theresa May, seine Vorgängerin als Parteivorsitzende, hatte ein Auge für anmutige oder mutige Schuhe, vor allem auf den Parteitagen.

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          Lord Maurice Saatchi stellt das Bild der britischen Konservativen von den Füßen auf den Kopf. Theresa May, seine Vorgängerin als Parteivorsitzende, hatte ein Auge für anmutige oder mutige Schuhe, vor allem auf den Parteitagen. Seit den Tagen von Imelda Marcos hatten Damenschuhe nicht mehr solch politisches Interesse erregt. Maurice dagegen labt den Blick der Öffentlichkeit mit seiner unverwechselbaren, gewaltigen Hornbrille. Das Glas hilft ihm beim Sehen, der Rahmen beim Gesehenwerden; außerdem unterscheidet er ihn von seinem drei Jahre älteren Bruder Charles. Die Sprößlinge einer irakischen jüdischen Familie, geboren in Bagdad und aufgewachsen in England, treten aber nur im Firmennamen ihrer Werbeagentur gemeinsam auf. Charles sammelt Kunst, hat beim dritten Anlauf das Herz einer bekannten Fernsehköchin errungen und ist zurückhaltend; Maurice macht mehr Politik mit seinem Geschäft, hat eine Romanschriftstellerin zur Frau und ist nicht scheu, und auch das ist er mit Stil. Er trägt nur schwarze Anzüge von Yves Saint Laurent und nur weiße Hemden von derselben Firma. Als ihm während einer Konferenz in den Vereinigten Staaten der Koffer gestohlen wurde, hat er lieber den Anzug und das Hemd, die ihm geblieben waren, jede Nacht reinigen und bügeln lassen, anstatt etwas anderes zu kaufen. Die Angst, jemand könnte ihn in etwas anderem sehen als in seinem Markenrahmen, verfolgt ihn offensichtlich.

          So sieht der Mann aus, der den Konservativen ihren wichtigsten Sieg und ihre größte Niederlage "designed" hat. Hinter dem Wahlsieg von 1979, der Margaret Thatcher an die Macht brachte, stand ein Wahlplakat, das die Saatchis entworfen hatten: eine Menschenschlange vor dem Arbeitsamt mit der Unterschrift: "Labour isn't working." Das heißt nur: "Labour funktioniert nicht", aber die Zeile ist treffsicher doppeldeutig. 1997 sollte das Wunder an den Plakatwänden wiederholt werden. Diesmal nahm Saatchi sich Labours Slogan "Neu Labour - Neues Britannien" vor und machte daraus "Neu Labour - Neue Gefahren". Ein Plakat zeigte sogar Tony Blair mit Teufelsaugen. Deutsche Zaungäste könnte das an einen guten alten Adenauer-Wahlkampf erinnern und den Slogan: "Die SPD ist der Untergang Deutschlands!" Doch 1997 sollte die Methode, den Leuten Angst einzujagen, nicht mehr verfangen. Der Abscheu vor den Auswüchsen des letzten konservativen Regimes unter dem unglückseligen Premierminister Major war so mächtig, daß die britischen Wähler sich auf die Seite Labours geschlagen haben. So war es auch 2001 wieder, und wahrscheinlich kann nicht einmal ein Saatchi etwas daran ändern, daß es auch beim nächstenmal nicht viel anders ist. Aber der Werbezar in der Parteizentrale kann die dritte Enttäuschung vielleicht etwas besser verkaufen.

          Außerdem ist der 57 Jahre alte Maurice Saatchi nicht nur als Werbetreibender gefragt, sondern auch als Organisator. Er ist ja auch nur ein halber Vorsitzender; die andere Hälfte des Amtes gehört Liam Fox. Es heißt, Saatchi habe die Fähigkeit, seine Mannschaft rücksichtslos auszunutzen und dabei auch noch das Gefühl unbedingter Loyalität zu entfachen. Arbeitseifer und Loyalität waren in den letzten zwei Jahren unter Iain Duncan Smith seltene Gäste in dem Haus am Smith Square in Westminster. Aber auch die persönliche Freundschaft mit dem neuen Parteichef Howard hat Saatchi nicht geschadet.

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