Wenn die Jagd begonnen hat
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Hubert Aiwanger am 3. September in Keferloh Bild: AFP
Till Lindemann und Hubert Aiwanger stehen am Pranger, ohne dass es Beweise gäbe. Das passiert, wenn die Unschuldsvermutung nicht mehr gilt und im Journalismus aktivistische Meinungen mehr zählen als Fakten.
Rammstein-Sänger Till Lindemann hat nie ein Geheimnis aus seinem Sexleben gemacht. Schon als er in den Medien noch ein gerne gesehener Interviewpartner war, berichtete Lindemann, dass er sich nach einem Auftritt abreagieren müsse, dass Alkohol und andere Drogen im Spiel seien. Er habe viele Gelegenheiten für Sex. Sein Leben sei ein „Knabentraum“. Aber die Aufregung blieb damals, abgesehen von einigen Debatten über seine Gedichte, Pornographie und Gewaltphantasien, aus. Was Lindemann sagte, war vielleicht für manch einen moralisch verwerflich, aber nicht strafbar.
Doch dann begann die Jagd auf ihn. Es ging um Machtmissbrauch, um K.-o.-Tropfen, um Vergewaltigung. Nahezu täglich gab es neue Vorwürfe. Die meisten Beschuldigungen wurden anonym vorgebracht. Anderes, was verbreitet wurde, beruhte nur auf Hörensagen. Doch diejenigen, die Jagd auf Lindemann machen wollten, ließen sich in ihrer Erregung nicht beirren. Für sie war er von Anfang an ein Monster, dessen Schuld auch ohne Beweise und ohne gerechtes Verfahren feststand.
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