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Limburger Bischof : Warten auf Franziskus

In Rom wird sogar gemunkelt, Tebartz-van Elst sei krank; [...]. Der Hinweis auf die Krankheit gilt manchen als möglicher Ausweg aus der Krise. Der Papst könnte Tebartz-van Elst für einige Zeit mit Blick auf seine angeschlagene Gesundheit zurückziehen und einen Administrator „plena sede“ nach Limburg schicken, um den Bischof zu ersetzen, ohne ihm seinen Bischofssitz zu nehmen.

So wäre auf jeden Fall Zeit gewonnen, bis der Prüfbericht vorliegt. Die von Zollitsch eingesetzte Kommission soll die genauen Kosten, Abrechnungen und die Entscheidungsabläufe beim Bau der bischöflichen Residenz in Limburg prüfen. Sie nahm am Freitag ihre Arbeit an Ort und Stelle auf. Es sei nun eine „Frage von Wochen, aber nicht von Monaten“, bis der Abschlussbericht vorliege, heißt es. Der Bericht wird im Vatikan als notwendige Voraussetzung gesehen für ein Verfahren der Amtsenthebung. Denn nach dem Kirchenrecht kann ein Kleriker per Dekret „nur aus schwerwiegenden Gründen“ seines Amtes enthoben werden – die müssten im Bericht aufgeführt sein.

Das Konzept der entweltlichten Kirche

Am Donnerstag konnte Erzbischof Zollitsch direkt mit dem Papst sprechen – Tebartz-van Elst war ihm trotz hastiger Abreise nach Rom nicht zuvorgekommen. Die Audienz wurde von überbordenden Erwartungen begleitet. Selbst mancher Monsignore in der Kurie rechnete mit Entschlüssen. Doch enden Privataudienzen gemeinhin nicht mit Entscheidungen des Papstes, und bei der Presseerklärung danach werden nur die Themen gestreift. So kam es auch: Um 15 Uhr trat Zollitsch vor dem Gästehaus der deutschen Bischöfe „Villa Mater Dei“ vor die nach Informationen gierenden Journalisten und sagte, nach dem Bericht über die zurückliegende Bischofskonferenz in Fulda habe man in „ruhiger Atmosphäre“ über die Lage in Limburg gesprochen; aber er wolle zum Inhalt „meines mitbrüderlichen Gesprächs mit Papst Franziskus, das mich gestärkt und ermutigt hat“, keine weitere Erklärung abgeben. Das Gespräch stimme ihn „zuversichtlich, dass alle Seiten an einer guten und baldigen Lösung interessiert sind, um die Lage im Bistum Limburg zu beruhigen und um einen Weg aus der schwierigen Situation zu finden“. Zollitsch flog zurück nach Deutschland.

Immerhin ein Eindruck aus dem vertraulichen Gespräch ist jedoch übermittelt. Demnach teilte Zollitsch dem Papst mit, die Baukosten in Limburg könnten sogar noch auf 40 Millionen in die Höhe schnellen, wenn das Bistum für Bauschäden in der Umgebung der Residenz aufkommen müsse. „Wie bitte?“, soll Franziskus daraufhin gestöhnt haben. Dem Papst geht es mittlerweile nicht mehr nur um Limburg. Ihm, der eine Kirche der Armen und Demütigen will, ist das Finanzierungswesen der deutschen Kirche insgesamt ein Dorn im Auge. Weil jeder im Vatikan weiß, wie vertraut Franziskus und sein Vorgänger Benedikt miteinander sind, raten viele jetzt dazu, noch einmal die Rede von Papst Benedikt in Freiburg nachzulesen, wo er das theologische Konzept der entweltlichten Kirche vortrug, das Franziskus jetzt umsetzen will.

Die Paparazzi warten vergeblich

Dazu will schlecht passen, was Tebartz-van Elst einmal gesagt haben soll: dass ein Bischofssitz schließlich keine billige Kegelbahn sei. Man weiß wenig über die Woche des Bischofs in Rom. Ganz am Anfang war auch er bei Ouellet; wohl schon am Montag, einen Tag nach seiner überraschenden Ankunft in der ewigen Stadt. Wie das Gespräch verlief, bleibt ungewiss. Sicher ist aber, dass Tebartz-van Elst in den folgenden Tagen nicht an Rücktritt dachte, sondern wieder gelassener als bei der Ankunft darauf baute, dass Zollitschs Untersuchungskommission herausfinden werde, dass die Gremien mit ihm zusammen Verantwortung für die Baukosten tragen müssen. Zudem kann er sicher sein, dass sich der Papst, den er bisher nicht hat sehen dürfen, nicht von der öffentlichen Meinung treiben lässt. Im Übrigen ist Tebartz-van Elst mit dem Gebäude des Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima im Herzen der Altstadt von Rom vertrauter als all die Paparazzi, die ihm dort seit Sonntag vergeblich auflauern: Es gibt mehr Ausgänge, als sie kennen.

Und auch wenn sich Tebartz-van Elst vor der Welt verborgen hält, er trifft seine Freunde, und die wissen, dass er die Zuversicht hegt, eines Tages wieder der Bischof von Limburg in Limburg zu sein. Auf dem Weg dahin beruft er sich dem Vernehmen nach auf einen Sinnspruch, der Clemens August Kardinal von Galen im Kampf gegen die Nazis stärkte: Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen!

[...]

Wegen dieser Berichterstattung hat der Deutsche Presserat am 11. März 2014 eine Rüge ausgesprochen. Der mittlerweile bereinigte Artikel hatte den Verdacht einer psychischen Krankheit von Bischof Tebartz-van Elst, zu der sich angeblich der Bruder des Bischofs eingelassen hatte, verbreitet.

Der Beschwerdeausschuss kam zu der Überzeugung, dass ein Verstoß gegen Ziffer 8, Richtlinie 8.6 und gegen Ziffer 2 des Pressekodex vorliege. Obwohl der Artikel bereits vor der Entscheidung entfernt wurde, kam der Ausschuss zu dem Ergebnis, eine Rüge auszusprechen.

Der Presserat ist zwar der Auffassung, dass von öffentlichem Interesse sei, ob der umstrittene Bischof unter Berufung auf eine Krankheit abberufen werden könne. Nicht von öffentlichem Interesse sei hingegen die Art der Erkrankung und die genaue Diagnose. Diese habe nicht ohne Einholung einer Stellungnahme veröffentlicht werden dürfen.

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