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Bistum Limburg : Was wird aus Tebartz-van Elst?

Bild: Greser & Lenz

Bischof emeritus Franz-Peter Tebartz-van Elst lebt wieder in Sichtweite des Doms. Aber ein Umzug steht ihm bevor. In Limburg müht man sich, ihm einen „hinreichenden und würdigen Unterhalt“ zu sichern.

          Seit vierzehn Tagen trägt Franz-Peter Tebartz-van Elst den Titel Bischof emeritus von Limburg. Papst Franziskus hat am 26. März 2014 den Amtsverzicht des 54 Jahre alten Geistlichen angenommen. Zuvor hatte eine Gruppe „impertinenter Prüfer“ (Tebartz-van Elst) unter der Leitung des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe das Finanzgebaren des Bischofs von Limburg im Zuge der Errichtung des mehr als 31 Millionen Euro teuren „Diözesanen Zentrums St. Nikolaus“ als Lug und Trug entlarvt.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Wie üblich enthielt das Kommuniqué des Vatikan außer dem Hinweis auf die Bestimmungen des Kirchenrechts keine Details über die Begründung der Bitte um Amtsverzicht. Eine Spur legt aber die Formulierung, es sei „in der Diözese Limburg zu einer Situation gekommen ist, die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes durch S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst verhindert“. Der Wortlaut entspricht einer der Begründungen im kirchlichen Recht, mit denen ein Pfarrer auch gegen seinen Willen seiner Pfarrei enthoben werden kann. Analoge Bestimmungen über die Amtsenthebung von Bischöfen kennt der Kodex nicht. Vollkommen unüblich war indes die Erwähnung des Zeitpunkts, zu dem Tebartz-van Elst auf das Bischofsamt verzichtet hat. Das Kommuniqué nennt den 20. Oktober 2013. Damals hielt sich Tebartz-van Elst in Rom auf und wurde von Papst Franziskus zu einem kurzen Gespräch empfangen. Dass es im zeitlichen Umfeld dieser Begegnung zum Angebot des Amtsverzichts gekommen sein soll, erfuhren selbst Getreue des Bischofs erst jetzt.

          In Limburg mühen sich derweil der von Papst Franziskus als Administrator eingesetzte Weihbischof Grothe und dessen Vertreter Wolfgang Rösch, die Bestimmung des Kodex mit Leben zu füllen, dass Tebartz-van Elst als Bischof emeritus ein „hinreichender und würdiger Unterhalt“ gesichert ist.

          Der im Februar 2007 emeritierte Limburger Bischof Franz Kamphaus taugt als Beispiel nicht. Kamphaus hatte sich schon als Bischof mit dem Gehalt eines Pfarrers begnügt, obwohl er Anspruch auf ein Grundgehalt nach der Besoldungsgruppe B 8 hatte. Tebartz erhielt sein Gehalt von fast 9400 Euro im Monat ungeschmälert und dürfte auch im Ruhestand die ihm nach dem Landesbeamtenversorgungsgesetz zustehenden Ansprüche geltend machen. So jedenfalls verfahren maßgebende Diözesen mit ihren Emeriti. Der jüngst emeritierte Kölner Kardinal Joachim Meisner etwa erhält nach Angaben des Erzbistums „ein Ruhegehalt von monatlich netto 6688,73 Euro entsprechend 71,75 Prozent seiner letzten Eingruppierung in die Besoldungsstufe B 11 zuzüglich ruhegehaltsfähiger Zulagen, vergleichbar einem Oberbürgermeister einer Gemeinde mit mehr als 500.000 Einwohnern“. Bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma geregelt sind freilich auch die Abzüge und zu versteuernden Vorteile, etwa für seine Dienstwohnung in Sichtweite des Kölner Domes.

          Tebartz-van Elst lebt inzwischen wieder in Sichtweite des Limburger Domes. Vor kurzen ist der Bischof emeritus in seine Wohnung samt Garten auf den Limburger Domberg zurückgekehrt, die den größten Teil des „Diözesanen Zentrums St. Nikolaus“ beansprucht. Wenn er es wünscht, so heißt es in Kanon 402 Paragraph 1 CIC/1983, kann er als Emeritus „den Wohnsitz in seiner Diözese behalten“. Das Diözesane Zentrum eignet sich dazu nicht. In Limburg wird überlegt, das Ensemble so schnell wie möglich für Zwecke des Bistums zu nutzen, etwa als Anlaufstelle für Dom-Besucher. Daher wird Tebartz-van Elst ein Wohnsitz im Bistum Limburg angeboten werden. Sein Vorgänger Kamphaus lebt in einer Wohnung auf dem Gelände einer großen Behinderteneinrichtung im Rheingau. Besoldet werden Kamphaus und Tebartz-van Elst wie alle anderen emeritierten Geistlichen nicht aus Zuwendungen des Staates, sondern aus bistumseigenen Vermögen für die Ruhestandsversorgung der Priester.

          Keinen direkten Zugriff wird Tebartz-van Elst auf die Fahrbereitschaft des Bistums haben. Sein Fahrer, Sekretär und Zeremoniar, den er besser entlohnte als sein Weihbischof verdiente, wird zum Ende des Monats April aus diesen Funktionen ausscheiden. Der Leasingvertrag über einen neuen 5er-BMW mit 7er-Ausstattung, den Tebartz-van Elst trotz des im Oktober erklärten Amtsverzichts im Januar abschließen ließ, ist durch das Bistum rückgängig gemacht worden. Nähme er sich an Kardinal Meisner ein Vorbild, zahlte er künftig für Privatfahrten mit Dienstfahrzeugen 60 Cent je Kilometer und säße in einem Ford Mondeo. Im Kommuniqué des Heiligen Stuhls heißt es im Übrigen, Tebartz-van Elst werde „zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden“.

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