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: Lichtblicke auf dem Schwarzen Kontinent

  • -Aktualisiert am

Kanzler Schröder besucht in dieser Woche vier afrikanische Staaten: Äthiopien sowie die Hoffnungsträger Kenia, Südafrika und Ghana.

          3 Min.

          Ein wenig machte es den Eindruck, als fürchte man in Berlin Afrika. Das wurde freilich so nicht gesagt in den Tagen vor dem Beginn der ersten längeren Reise des Bundeskanzlers dorthin. Doch deuteten manche Äußerungen in diese Richtung. "Afrikas Probleme können schnell unsere eigenen werden", war im Kanzleramt zu hören.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Daß Afrika viele Probleme hat, bestreitet in Berlin ohnehin niemand. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erinnert daran, daß fast die Hälfte der Menschen in der Subsahara jünger als 15 Jahre sei. Wenn diesen Menschen keine Perspektive geboten werde, könne sich das negativ auch auf die Zukunft Europas auswirken. "Es geht uns letztlich um Sicherheitspolitik", heißt es in der Regierung.

          "Renaissance" der Bemühungen

          Deshalb will sich der Bundeskanzler, der bisher nur für zwei Gipfeltreffen in Afrika war, vom heutigen Sonntag an eine Woche lang um den Kontinent kümmern, von Ost über Süd nach West: Äthiopien, Kenia, Südafrika und Ghana sind Schröders Stationen.

          Ein düsterer Blick auf den Schwarzen Kontinent? Nicht nur. Die Verantwortlichen sehen einen Hoffnungsstreif am afrikanischen Horizont. Und so sieht er aus: Eigenverantwortung oder Eigenengagement. Im Kanzleramt beobachtet man geradezu eine "Renaissance" solcher Bemühungen - was den immerhin fragwürdigen Eindruck erweckt, es habe sie schon früher einmal gegeben.

          Multilaterale Strukturen

          Anlaß für die Hoffnungen ist vor allem die Gründung zahlreicher multilateraler Organisationen und Strukturen in Afrika, allen voran die der Afrikanischen Union (AU) als Nachfolgerin der Organisation of African Unity (OAU) vor zwei Jahren. Die Bundesregierung stellt sogar Vergleiche an zwischen der AU und der EU - und will der jungen Afrikanischen Union helfen. So erklärt sich das erste Ziel der Reise, nämlich die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba. Am Montag hält Schröder vor der dort angesiedelten AU eine afrikapolitische Grundsatzrede.

          Die OAU war aus Berliner Sicht als eine Art antikolonialistische Emanzipationsbewegung gegründet worden. Inzwischen, sagt der Afrika-Beauftragte des Auswärtigen Amts, Harro Adt, gehe die postkoloniale Phase zu Ende: "Jetzt entstehen multilaterale Strukturen. Wir haben rechtzeitig erkannt, daß das die große Veränderung der letzten fünf Jahre ist."

          Die Hoffnung

          Weil aber Schröder nicht nur die neuen Strukturen unterstützen will, sondern auch die als wichtig eingestuften Akteure, reist er von Addis Abeba weiter nach Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Hier werden die neue "Regenbogenallianz" und Präsident Kibaki als Hoffnungsträger bewertet - so wie das ganze Land. Kenia soll eine "privilegierte Partnerschaft" mit der Bundesrepublik angeboten werden. So sollen unter anderem afrikanische Sicherheitskräfte von deutschen ausgebildet werden. Die Hoffnung: Dem durch Anschläge gebeutelten Land könne damit im Kampf gegen den Terrorismus geholfen werden. Zudem wird die Entwicklungshilfe für den kommenden Zwei-Jahres-Zeitraum von 25 auf 50 Millionen Euro erhöht.

          Womit die Reihe am Geld, an der Wirtschaft und der dritten Station der Reise wäre. Schröder wird von einer 23 Mitglieder starken Wirtschaftsdelegation begleitet, deren Hauptaugenmerk sich auf Südafrika richtet. Überwiegend sind es Mittelständler, die mitreisen. Es gehe nicht um Großprojekte, wurde in Berlin vor der Abreise verkündet. Aber in Südafrika trifft Schröder auch auf den Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Chrysler, Jürgen Schrempp. Während Schröder in den fünf Jahren als Kanzler noch nie länger in Afrika war, ist Schrempps Unternehmen dort bereits seit fünfzig Jahren aktiv.

          "Stabiles und reformfreudiges" Land

          Doch auch in Südafrika wird Schröder die Politik einholen, wahrscheinlich sogar mit Wucht. Am Mittwoch versprach Schröder der ihn bedrängenden CDU im Auswärtigen Ausschuß des Bundestages, er werde die dramatische Situation in Südafrikas Nachbarstaat Zimbabwe auf allen Stationen der Reise ansprechen. Demnach auch bei seinem Treffen mit dem südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki, dessen weicher Kurs gegenüber Zimbabwe nicht unumstritten ist.

          Von Südafrika geht es zum Ende der Reise nach Ghana weiter. Das sei ein "stabiles und reformfreudiges" Land, so die Einschätzung der Bundesregierung. Eines der Länder also, die geeignet sind, den Weg Afrikas zu größerer Eigenverantwortung zu ebnen. In Ghana wird Schröder bei der Eröffnung des Kofi Annan Peacekeeping Center zugegen sein. Und vielleicht wird auch Kofi Annan, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, aus diesem Anlaß in seine ghanaische Heimat kommen.

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