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Libyen : Gaddafi-Stiftung will Opfer des „La Belle"-Anschlags entschädigen

  • Aktualisiert am

Gaddafi will die Aufhebung der Sanktionen erreichen Bild: AFP

Nach den Zahlungen für die Opfer des Lockerbie-Anschlags ist Libyen jetzt auch bereit, die Opfer des Attentats auf die Berliner Diskothek „La Belle“ und ihre Hinterbliebenen zu entschädigen.

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          Die libysche Gaddafi-Stiftung hat sich bereit erklärt, die Opfer des Anschlags auf die Berliner Discothek „La Belle“ zu entschädigen. „Mit dieser humanitären Initiative ist jedoch kein Schuldanerkenntnis bzw. die Übernahme der Verantwortung für diese Tat, von welcher Seite auch immer, verbunden", hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Berliner Büros der Stiftung.

          Einzelheiten der geplanten Entschädigung teilte die Stiftung nicht mit. Es würden aber keine staatlichen Gelder fließen, sagte ein Stiftungs-Sprecher. Man werde das Gespräch mit den Beteiligten suchen, um eine schnelle und unkomplizierte Lösung zu finden.

          Offiziell arbeitet die „International Gaddafi Foundation“, die ihre Ziele mit Wohltätigkeit und Förderung der Menschenrechte angibt, unabhängig von der Regierung in Tripolis. Mit Millionensummen hatte sie vor drei Jahren die Freilassung der auf der philippinischen Insel Jolo festgehaltenen Geiseln, unter ihnen drei Deutsche, vorbereitet. Und auch bei der Freilassung der Sahara-Geiseln soll sie eine maßgebliche Rolle gespielt haben.

          Gesamtsumme unter Opfern aufteilen

          Für die „Interessengemeinschaft Entschädigung für die La-Belle-Opfer“ begrüßte der Berliner Rechtsanwalt Burkhard Kötke die Ankündigung der Gaddafi-Stiftung. „Das wäre in unserem Sinne", sagte er zur Erklärung der Stiftung, die sich nach seinen Angaben damit erstmals offiziell zur Entschädigung der Opfer bereit erklärt hat.

          Kötke und weitere in der Interessengemeinschaft zusammengeschlossene Anwälte vertreten viele der nicht-amerikanischen Opfer des Anschlags. Sie fordern für jeden Verletzten eine pauschale Entschädigung von 500.000 Euro. Die Gesamtsumme soll später abgestuft nach der Schwere der Verletzungen unter den Opfern aufgeteilt werden.

          Verantwortung für Lockerbie übernommen

          Bei dem Anschlag auf die bei amerikanischen Soldaten beliebte Berliner Disco waren 1986 drei Menschen getötet und über 200 verletzt worden. Das Berliner Landgericht hatte 2001 den Geheimdienst Libyens als Urheber bezeichnet. Libyen war international wegen des Vorwurfs geächtet worden, extremistische, gewalttätige Organisationen zu unterstützen.

          Mitte August hatte Tripolis die Verantwortung für den Flugzeug-Anschlag über dem schottischen Lockerbie 1988 übernommen, bei dem 270 Menschen starben, und Entschädigungszahlungen angekündigt. Experten zufolge strebt Gaddafi damit und mit der Vermittlung bei Geiselnahmen die Aufhebung bestehender Sanktionen und ein Ende der Ächtung an.

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