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Libanon : Hizbullahs Kampf um Sympathien

Erste Kritik trotz großer Anhängerschaft: Libanesin mit Nasrallah-Bild Bild: picture-alliance/ dpa

Während des Krieges verblaßten im Libanon die innenpolitischen Konflikte. Doch nun fragen viele Libanesen die Führer der Hizbullah, was der Krieg dem Land gebracht haben soll.

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          Im Krieg waren die Kämpfer der Hizbullah noch die gefeierten Helden. Seit dem Waffenstillstand befindet sich die „Partei Gottes“ in der Defensive.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Solange israelische Flugzeuge libanesische Städte bombardiert hatten und sich Flüchtlingsmassen aus den bombardierten Regionen nach Norden wälzten, solidarisierten sich nahezu alle politischen Gruppen im Libanon mit der Hizbullah. Der gemeinsame Widerstand gegen Israel überlagerte alle anderen Kontroversen. Die Hizbullah feiert sich zwar noch immer als Sieger des Kriegs gegen Israel. Es zeichnet sich indessen ab, daß ihre politischen und militärischen Verluste größer sind, als sie glauben machen will.

          Vorwurf der Eigenmächtigkeit

          Sie mußte sich mit ihren Waffen bereits von der Grenze zu Israel auf den Streifen nördlich des Litani-Flusses zurückziehen. Ihre Stellungen übernehmen 15.000 Soldaten der libanesischen Armee, zudem werden 8600 libanesische Soldaten die Grenze zu Syrien kontrollieren. Erfüllt wird damit, wenn auch spät, ein weiterer Teil der Resolution 1559, die der UN-Sicherheitsrat im September 2004 verabschiedet hat. Nicht länger kann die Hizbullah also aus dem Grenzgebiet Katjuscha-Raketen auf Israel abschießen. Ferner werden die libanesische Armee und Einheiten der UN-Friedenstruppe Unifil die Land- und Seegrenzen überwachen. Dabei sollen sie den Waffenschmuggel für die Hizbullah verhindern.

          Meinungsverschiedenheiten mit säkularen Schiiten: Hizbullah-Führer Nasrallah

          Zu den militärischen Verlusten kommen politische. Alle politischen Lager jenseits der Schiiten - ausgenommen das des christlichen Oppositionsführers Aoun - werfen der Hizbullah heute vor, eigenmächtig und ohne Abstimmung mit anderen den Krieg mit Israel vom Zaun gebrochen zu haben. Von der Hizbullah wollen sie nun wissen, was ihre Entführung der zwei israelischen Soldaten vom 12. Juli dem Libanon gebracht habe.

          Israelische Blockade schwächt libanesische Regierung

          Die Sozialwissenschaftlerin Amal Saad-Ghorayeb von der Libanesisch-Amerikanischen Universität wirft diesen syrienkritischen „Kräften des 14. März“, die seit der Parlamentswahl von 2005 die Mehrheit stellen, allerdings vor, damit Israel in die Hände zu spielen, den Interessen des Libanons aber zu schaden. Die Wunden der Hizbullah führten nicht zu deren Schwächung, argumentiert sie. Als Beleg zitiert die Sozialwissenschaftlerin die jüngste Umfrage des konservativen christlichen Forschungsinstituts Ipsos. Das habe ermittelt, daß sich weiter 85 Prozent der Schiiten für eine Bewaffnung der Hizbullah aussprächen, sagt Frau Saad-Ghorayeb, die selbst säkulare Schiitin ist und viele Jahre über die Hizbullah geforscht hat.

          Als Rückschlag für die Hizbullah, nicht aber für die Schiiten wertet dagegen Michel Touma, innenpolitischer Experte der Zeitung „L'Orient Le Jour“, den Ausgang des Kriegs. Die vergangenen Wochen hätten klargemacht, daß der Libanon nicht ohne und schon gar nicht gegen eine der großen Bevölkerungsgruppen wie der Schiiten, Sunniten, Christen und Drusen regiert werden könne. Westliche Diplomaten fürchten indes, daß eine Fortsetzung der israelischen Blockade die Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora wieder schwächen und den Handlungsspielraum der Hizbullah erweitern werde.

          Armee hat Sympathien für Widerstand

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