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Krise im Libanon : Keine neue Ära

Schattenspiele: Sie starben vor einem Jahr in Beirut Bild: AFP

Nicht nur im Libanon: Elitenversagen und Staatszerfall gehen in vielen Ländern der Levante Hand in Hand. Europa könne dem entgegen wirken. Doch womöglich ist es dafür schon zu spät.

          3 Min.

          Als der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zwei Tage nach dem Inferno die zerstörten Viertel von Beirut besuchte, wurde er wie ein Heilsbringer empfangen. Eine monströse Explosion, die sich am Mittwoch zum ersten Mal jährte, hatte den Hafen und weite Teile der libanesischen Hauptstadt verwüstet. Die Katastrophe illustrierte auf drastische Weise, wie verkommen das Kartell der Mächtigen ist, das Libanon beherrscht: Gigantische Mengen hochexplosiven Ammoniumnitrats hatten fast sieben Jahre völlig ungesichert im Hafengelände gelegen – bis sie detonierten. Macron aber sprach von einer „neuen Ära“.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Tatsächlich keimte nach seiner Visite ein wenig Hoffnung, die Katastrophe könne ein Weckruf zur rechten Zeit gewesen sein. Aber diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht. Auch ein Jahr später gibt es noch keine handlungsfähige Regierung, die Reformen, die der französische Präsident verlangte, sind nicht einmal in Sicht. Macrons Tête-à-Tête mit den Mächtigen, die er wie Schuljungen vorführte, war wirkungslos.

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