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Lexikon : Das war Rot-Grün: M wie Münte

Bild: FAZ.NET

Ausgerechnet Franz Müntefering, der Sachverwalter der Sozialdemokratie, könnte zum Totengräber von Rot-Grün werden. Oder begehen seine politischen Freunde wie Feinde abermals den Fehler, ihn zu unterschätzen?

          4 Min.

          Franz Müntefering (M.), geboren im Januar 1940, Sachverwalter der Sozialdemokratie aus dem Sauerland, sozialisiert durch seine Ausbildung als Industriekaufmann in der Metallbranche mit gewerkschaftlichem Stallgeruch - die Biographie eines klassischen Genossen bundesrepublikanischer Prägung.

          Guido Franke
          Redakteur in der Politik.

          Dennoch politisch „ein Spätzünder“ (F.A.Z.), stets mußte M. in den vier Jahrzehnten seiner politischen Karriere den Umweg über den zweiten Bildungsweg gehen. Bei seinem langen Marsch durch die Institutionen der eigenen Partei lange unterschätzt, was einige der wenigen Parallelen zu der christdemokratischen Parteivorsitzenden sein dürfte. Ausgerechnet Angela Merkel könnte nun ein Grund dafür sein, daß ihm der Sprung auf die letzte Stufe der Karriereleiter im wiedervereinigten Deutschland vermutlich versagt bleiben wird.

          Ein treuer Parteisoldat

          Stets hat es M. vermieden, als strebsamer Karrierist zu erscheinen, sein Image als treuer Parteisoldat dagegen durchaus gepflegt. So erschien er seiner Partei immer wieder als Helfer in der Not nach schweren Wahlniederlagen.

          Bild: F.A.Z. / Martin tom Dieck

          Vor knapp zehn Jahren holte ihn Rudolf Scharping, der mittlerweile nur noch als Radsportpräsident PR in eigener Sache braucht, wenige Wochen vor dem „Putsch von Mannheim“ aus der Landespolitik zurück ins Zentrum der Partei nach Bonn - als Bundesgeschäftsführer. Während der parteiintern isolierte Scharping kurz darauf von Oskar Lafontaine weggemobbt wurde, hatte sich M. längst eine gewichtige Hausmacht im SPD-Großbezirk Westfalen aufgebaut - und blieb. Oder war er gar schon damals der „Spiritus Rector“ der Rochade an der sozialdemokratischen Spitze?

          Unsichtbarer Vierter

          Nicht einmal als dritter Mann, sondern als unsichtbarer Vierter im Bunde des Bermudadreicks der Macht zwischen Scharping (Fraktionsvorsitz), Lafontaine (Parteivorsitz) und dem potentiellen Kanzlerkandidaten Schröder zog M. die Strippen. Das rot-grüne Projekt, für mehr als eine Generation nach 16 Jahren Kohl Lebenselixier oder gar Verheißung, nannte M. lediglich das „Vernünftigste“ für einen Politikwechsel in Bonn.

          Gleichwohl machte er sich einen Namen als effektiver Wahlkampfmanager mit einer selbständig agierenden Zentrale und moderner Kommunikationslogistik. Innovation und soziale Gerechtigkeit durch die Neue Mitte waren die Kernbotschaften des Wahlkampfes für das SPD-Triumvirat. Das zog und war der Schlüssel zum Eintritt in das Kanzleramt für den „Genossen der Bosse“. Schröder mußte fortan nicht mehr am Zaun rütteln oder zumindest an der Legende daran stricken, sondern er war drin.

          Mit dem Dreiklang, der Mehrheiten schafft, will nun auch Frau Merkel ihren persönlichen „materiellen Siegeszug der Freiheit“ vollenden: Innovation (wahlweise Bildung), soziale Marktwirtschaft und die Mittelschicht angereichert durch eine Prise Nationalismus und Bürokratieabbau sind ihre Themen auf dem Weg zur Macht im deutschen Staate. Nicht nur von Kohl, sondern auch von Müntefering lernen, heißt „Siegen lernen“ für die im Sozialismus aufgewachsene Pfarrerstochter.

          Keine „Visionen“

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