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Leuna-Affäre : Ehemaliger Elf-Chef zu fünf Jahren Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Fünf Jahre Haft für Loïk Le Floch-Prigent Bild: AP

Im Schmiergeldprozeß um den französischen Elf-Konzern sind der frühere Chef Le Floch- Prigent und sein Mitarbeiter Sirven zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die politische Seite des Skandals blieb jedoch im Dunkeln.

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          IIm Schmiergeld-Prozeß um den französischen Ölkonzern Elf ist das Führungstrio um den einstigen Firmenchef Loïk Le Floch-Prigent am Mittwoch zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Pariser Gericht sah es als erwiesen an, daß sich der 60jährige Le Floch-Prigent Anfang der 90er Jahre der Veruntreuung von Firmenvermögen schuldig gemacht hatte. Er erhielt fünf Jahre Haft und soll zudem 375.000 Euro Strafe zahlen. Der einstige Elf-"Schattenmann“ Alfred Sirven wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt; der Ex-Manager André Tarallo, der für die Verbindungen des Ölkonzerns nach Afrika zuständig war, erhielt eine vierjährige Haftstrafe.

          In dem Pariser Mammutprozeß ging es um insgesamt gut 300 Millionen Euro, die auf dubiose Weise aus den Kassen des einstigen Staatskonzerns verschwunden waren. Der 76jährige Sirven soll überdies eine Million Euro Strafe zahlen, der gleichaltrige Tarallo soll zwei Millionen Euro Strafe zahlen. Tarallo war als einziger der drei Hauptangeklagten bislang auf freiem Fuß; Le Floch-Prigent und Sirven hatten dagegen bereits in einem ersten Prozeß Haftstrafen erhalten.

          Staatskonzern im Zwielicht

          Es sollte auch eine politische Abrechnung mit der Ära Mitterrand-Kohl werden, doch am Ende geht es wohl nur noch um persönliche Bereicherung einiger allzu cleverer Geschäftsleute: Im Pariser Justizpalast fiel am Mittwoch das Urteil in einem der größten Korruptionsprozesse der französischen Geschichte. Vier Monate lang haben die Richter 37 Angeklagte, unter ihnen den deutschen Geschäftsmann Dieter Holzer, und zahllose Zeugen zu den Vorwürfen befragt, Millionen-Schmiergelder des damaligen staatlichen Ölkonzerns Elf seien in den 90er Jahren unter anderem für den Kauf der Leuna-Raffinerie in dubiose Kassen geflossen. Den hauptangeklagten Managern bescherte das nun viele Jahre Haft, doch die politisch brisante Seite des Falles blieb weitgehend im Dunkeln.

          Auf skandalöse Weise sollen vor allem die einstigen Lenker des Ölriesen Elf Aquitaine Konzerngelder in die eigenen Taschen abgezweigt haben. In dem Prozeß kam unter anderem zu Tage, daß sich der „Afrika-Beauftragte“, der ehemalige Elf-Spitzenmanager Tarallo, Marmorpaläste aus der Konzernkasse leistete oder Le Floch seine frühere Frau großzügig mit Elf-Geldern abfand. Tarallo sieht sich immer noch als unschldig an, Le Floch und Sirven gestanden zumindest Vorteilsnahme ein.

          Wahlkampfhilfe für Kohl im Dunkeln

          Der wesentliche - und aus Sicht der Ankläger bewiesene - Vorwurf lautet auf illegale Selbstbedienung, in Frankreich justiziabel als Veruntreuung von Gesellschaftsvermögen. Der üble Verdacht politischer Korruption dürfte dagegen unter den Tisch fallen. Dabei wiederholte der 76jährige Sirven noch in der im Juli beendeten Hauptverhandlung, Elf habe „zwei deutsche Minister“ bezahlt, um 1993 den mit Milliarden-Subventionen versüßten Zuschlag für die Leuna-Raffinerie und das einstige DDR-Tankstellennetz zu bekommen. Laut Anklageschrift handelte es sich um die frühere Verteidigungs-Staatssekretärin Agnes Hürland-Büning (CDU) und den früheren Wirtschaftsminister Hans Friedrichs (FDP).

          Mit dieser angeblichen deutsch-französischen Connection sollen unter dem Strich die zu jener Zeit in Paris regierenden Sozialisten um Staatschef François Mitterrand der damaligen Regierungspartei CDU von Helmut Kohl massive Wahlkampfhilfe geleistet haben. Kohl wies dies vehement zurück. Im Pariser Mammutprozeß bestritten auch Angeklagte wie der deutsche Geschäftsmann Dieter Holzer oder dessen Vermittlungspartner, der französische Spion Pierre Lethier, Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker im Rahmen der Leuna-Affäre.

          300 Millionen Euro „versickert“

          Insgesamt sollen gut 300 Millionen Euro aus den Kassen des Elf-Konzerns zwischen Geldwäsche-Paradiesen und zwielichtigen Geschäftsleuten versickert sein. Allein für das Raffinerie-Geschäft um Leuna, eines der Vorzeigeprojekte beim deutschen „Aufbau Ost“, hatten Holzer und Lethier 39 Millionen Euro kassiert - durchaus branchenübliche Beraterhonorare, betonten beide vor Gericht und wiesen den Verdacht zurück, damit seien deutsche Parteienvertreter geschmiert worden.

          Die Nachfolger des 1993 aus dem Amt geschiedenen Le Floch und seiner einstigen Konzernspitze treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Sie kämpfen seit Jahren gegen den schmierigen Ruf eines korrupten Ex-Staatskonzerns. Selbst der Name Elf verschwindet nach und nach: Nach Fusionen mit den einstigen Konkurrenten Total und Fina heißt das Unternehmen schlicht „Total“, das „Elf“ prangt nur noch an einigen Tankstellenschildern.

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