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Leitglosse : Sucht und Selbstgefallen

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D.D. Die Zahl der sogenannten "Drogentoten" sinkt weiter, der Gebrauch von Heroin stagniert oder geht zurück, dafür nimmt der Gebrauch von Cannabis und Kokain zu, während synthetische Rauschgifte wie Ecstasy weiterhin in Mode sind.

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          D.D. Die Zahl der sogenannten "Drogentoten" sinkt weiter, der Gebrauch von Heroin stagniert oder geht zurück, dafür nimmt der Gebrauch von Cannabis und Kokain zu, während synthetische Rauschgifte wie Ecstasy weiterhin in Mode sind. Licht und Schatten liegen wie immer nahe beieinander, und gute Drogenpolitik ist die, die sich in einem wohlerwogenen "policy mix" aus Prävention und Repression, Therapie und Überlebenshilfe übt.

          So ließe sich auch und wieder einmal der jüngste Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung lesen, wenn es

          mit ihm nicht eine besondere Bewandtnis hätte. Denn wieder einmal lenkt

          die Drogenbeauftragte Caspers-Merk (SPD) den Blick auf eine Entwicklung, die den oftmals leichtfertigen, ja selbstgefälligen Umgang der Erwachsenengesellschaft mit "ihren" Drogen in ein grelles Licht taucht. Seit langem ist der Gebrauch von Haschisch und synthetischen Drogen kein Vorrecht vermeintlich drogenmündiger Studenten oder wochenendfideler Partygänger. Rauschgift ist fester Bestandteil der Jugendkultur. Schrittmacher dieser Entwicklung waren indes nicht nur die gestiegene Verfügbarkeit oder auch verharmlosende Botschaften wie jene über die vermeintliche Ungefährlichkeit von Cannabis, daß man ja auch zuviel Lakritz essen könne. Vielmehr sind es die "legalen" Drogen Tabak und Alkohol, die immer mehr Kindern und Jugendlichen den Weg zum Gebrauch "illegaler" Drogen ebnen.

          Doch auch Tabak und Alkohol fallen nicht vom Himmel. Zigaretten gibt es noch immer überall, rund um die Uhr und für jedermann, also auch Kinder und Jugendliche, zugänglich an Automaten. Alkohol ist mittlerweile ebenfalls rund um die Uhr und in jeder beliebigen Konzentration an Bahnhöfen und Tankstellen erhältlich. Dieser Zustand ist nicht eine natürliche Folge gesellschaftlicher Prozesse, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen und erfolgreicher Lobbyarbeit. Es ist der rot-grünen Bundesregierung hoch anzurechnen, daß sie anders als die CDU-FDP-Regierungen zuvor der Suchtstoff-Lobby trotzt; wenn hier Steuererhöhungen, wie zuletzt die auf den Tabak, zu vermindertem Konsum, einer Erhöhung der Einstiegsschwelle und schließlich sogar zu Steuermindereinnahmen führen, kann man das nur begrüßen.

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