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Leitglosse : Proteste und Raketen

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wgl. In welchem Zustand wird sich der Nahe Osten präsentieren, wenn die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice ihn am Wochenende wieder besucht? Die jüngsten Gewaltausbrüche drohen zu eskalieren.

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          wgl. In welchem Zustand wird sich der Nahe Osten präsentieren, wenn die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice ihn am Wochenende wieder besucht? Die jüngsten Gewaltausbrüche drohen zu eskalieren. Es ist ein dreifach geschnürter Knoten der Konfrontation: jüdische Siedler gegen die Regierung Ariel Scharons; radikale Palästinenser gegen Ministerpräsident Mahmud Abbas; und die seit Februar wieder als "Friedenspartner" auftretenden Israelis und Palästinenser gegeneinander. Israel hat wissen lassen, daß es buchstäblich Gewehr bei Fuß stehe, falls jüngste Raketenangriffe auf jüdische Siedlungen nicht eingestellt werden sollten. Dabei scheint es gleichgültig zu sein, ob der Islamische Dschihad oder die ungleich mächtigere Hamas die Geschosse abfeuern.

          Die Entwicklung kommt nicht unerwartet. Je näher der Termin rückt, an dem Scharon den Gazastreifen vollständig räumen will - Mitte August soll damit begonnen werden -, desto stärker äußert sich der Widerstand der Siedler, die darin nationalen "Verrat" wittern und ein schmähliches Einknicken ausgerechnet jenes Mannes, in dem sie lange Zeit einen unbeugsamen Sachwalter ihrer Interessen gesehen hatten. Scharon - die Massenaufmärsche der protestierenden Siedler zeigen es - geht auch persönlich ein hohes Risiko ein.

          Dasselbe gilt für Abbas, dem Israel abverlangt, daß er seine Radikalen zügele. Das will er auch. Warum diese nun wieder Raketen abfeuern, ist schwer zu durchschauen. Wollen sie dem eigenen Regierungschef damit bedeuten, daß das Gesetz des Handelns eigentlich bei ihnen liege? Hamas und Dschihad interpretieren die Vorgänge um den Abzug aus Gaza womöglich anders als Abbas: Sie mögen glauben, daß es ihr "Widerstand" gewesen sei, der in Scharon den Entschluß zum Abzug reifen ließ. Sie sehen darin vielleicht eine Analogie zum Rückzug Israels aus der südlibanesischen "Sicherheitszone" unter Ministerpräsident Ehud Barak. Doch das war damals und wäre auch heute ein Fehlschluß. Es waren und sind vornehmlich politische und wirtschaftliche Kalküle, die seinerzeit Barak und jetzt Scharon zu ihren Abzugsplänen bewogen haben. Derzeit sieht es so aus, als wollten die Islamisten - wie die Siedler - den Abzug sabotieren, nur aus anderen Gründen.

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