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Leitglosse : Preis der Kanzlerschaft

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R.O. Alfred Gusenbauer ist am Ziel seines angeblich schon im Sandkasten geäußerten Wunsches angekommen: Er wird österreichischer Bundeskanzler. Die Eroberung des Ballhausplatzes hat dem SPÖ-Vorsitzenden einiges an Kraft, Ausdauer, Zugeständnissen und Selbstverleugnung abverlangt.

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          R.O. Alfred Gusenbauer ist am Ziel seines angeblich schon im Sandkasten geäußerten Wunsches angekommen: Er wird österreichischer Bundeskanzler. Die Eroberung des Ballhausplatzes hat dem SPÖ-Vorsitzenden einiges an Kraft, Ausdauer, Zugeständnissen und Selbstverleugnung abverlangt. Dem ÖVP-Vorsitzenden Schüssel, der seit 2000 dort residierte, fällt der Abschied sichtlich schwer. Gleichwohl hat er als maßgeblicher Verhandler seiner Partei die "Errungenschaften" der einst aus Volkspartei und Freiheitlichen gefügten kleinen Koalition mit Zähnen und Klauen verteidigt. Gusenbauer und die Sozialdemokraten mussten von vielen ihrer als unumstößlich hingestellten Wahlkampfversprechen Abschied nehmen, vorrangig mangels Finanzierbarkeit, nachrangig wegen Unnachgiebigkeit der Volkspartei.

          Die Ausweichlösung - ein Minderheitskabinett - hatte der im Hintergrund wirkende Bundespräsident Fischer verstellt. So musste Gusenbauer sich aufs beharrliche Aushandeln einer stabilen Regierung verlegen. Wie hoch der Preis für die Rückkehr an die Macht war, wird man erst ermessen können, wenn die Details des Koalitionsvertrags bekannt sind. Allem Anschein nach hat es sich für Schüssel und die ÖVP aber ausgezahlt, sich erst zu verweigern und dann quasi auf roten Samthandschuhen in die Regierung tragen zu lassen.

          So steht der Wahlverlierer des 1. Oktober 2006 nach dem hunderttägigen Verhandlungspoker doch wieder als Gewinner da. Nicht von ungefähr unken die oppositionellen Grünen bereits über eine "schwarze Regierung mit rotem Kanzler". Dass die Alt-Freiheitliche FPÖ und ihr Spaltprodukt, das Neu-Freiheitliche BZÖ, die Verhandlungsergebnisse in Grund und Boden verdammen würden, war nicht anders zu erwarten. Die Empörung der Oppositionsparteien über das "Umfallen" der SPÖ und über die Zustimmung der ÖVP zu neuen Belastungen für die Bevölkerung - "modernes Raubrittertum" - ist ebenso heuchlerisch wie durchsichtig. Waren es doch vor allem Grüne und FPÖ, die sich mit allerlei Ausflüchten und Finten allen anderen möglichen Dreier-Kombinationen verweigerten und partout das Zusammengehen der beiden anfangs gänzlich unwilligen Großen als "einzige realistische" Form des Regierens verlangten.

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