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Leitglosse : London und Teheran

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wgl. Der jüngste Konflikt zwischen Großbritannien und der Islamischen Republik Iran enthält viel Zündstoff. Nachdem iranische Kriegsschiffe vor einigen Tagen fünfzehn britische Marinesoldaten festgesetzt hatten, begannen die diplomatischen Drähte zu glühen.

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          wgl. Der jüngste Konflikt zwischen Großbritannien und der Islamischen Republik Iran enthält viel Zündstoff. Nachdem iranische Kriegsschiffe vor einigen Tagen fünfzehn britische Marinesoldaten festgesetzt hatten, begannen die diplomatischen Drähte zu glühen. Doch nun hat London die Beziehungen zu Teheran einstweilen eingefroren. Die Briten glauben, anhand von Luftaufnahmen beweisen zu können, dass ihre Boote in irakischen Hoheitsgewässern aufgebracht worden sind, nicht in iranischen, wie Teheran behauptet. Das alles geschieht nicht losgelöst von der sich ständig verschlechternden Lage in der Region. Iran sieht sich wegen seiner Atompläne wachsendem Druck ausgesetzt und von verschärften Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft herausgefordert.

          Auf beiden Seiten werden nun alte Erinnerungen wach. Bevor die Vereinigten Staaten von Amerika zum "Großen Satan" wurden, nahm nämlich Großbritannien wegen seiner Orient-Politik diese Position ein, insbesondere in Iran. London (und Russland) mischte sich in jenen Tagen in die iranischen Belange ein. Daher rührt der schlechte Ruf, den die Briten bis heute bei Iranern haben. Damals, vor und nach dem Ersten Weltkrieg, war Großbritannien freilich ungleich stärker als heute: Britannia ruled the waves. Heute hat es London, wie der gesamte Westen und auch der Rest der Welt, mit einem Iran zu tun, das von einer Vormachtstellung am Persischen Golf nicht mehr weit entfernt ist. Der Streit um die festgesetzten Soldaten muss mit Hilfe der internationalen Diplomatie gelöst werden, bevor er Weiterungen nach sich zieht, die niemand will. Deutschland, das trotz aller Antagonismen traditionell gute Beziehungen zu Teheran unterhält, könnte vielleicht politische Hilfestellung geben.

          Was Iran mit den festgesetzten Briten vorhat, ist noch ungewiss. Gerüchte werden verbreitet, es beabsichtige damit, Landsleute freizubekommen, die von amerikanischen Truppen im Irak festgenommen worden sind. Das ist nicht ausgeschlossen. Denkbar ist jedoch auch, dass die Mullahs die Briten für noch höher gesteckte Ziele instrumentalisieren wollen: Mehr und mehr sehen sie sich an den Pranger gestellt. So könnte es dahin kommen, dass sie das "Faustpfand" der fünfzehn auf irgendeine Weise als Mittel zu einer politischen "Entlastung" einsetzen wollen.

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