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Legida-Aufmarsch : Leipzig in Not

  • -Aktualisiert am

Schmähungen auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel: Plakate auf der „Legida“-Demonstration vom Mittwochabend Bild: AP

In Dresden entstand aus Anti-Politik-Protesten das bisher friedliche Original. Der Leipziger Ableger „Legida“ zeigt, dass auch Rechtsextreme und Ausländerhasser hier eine Heimat finden können.

          Der Rücktritt des Pegida-Führers Bachmann und der Aufmarsch vieler ganz und gar nicht friedlich wirkenden Legida-Anhänger in Leipzig markieren womöglich den Anfang vom Ende der angeblichen „Volksbewegung“.

          Was sich in Dresden bis Mittwoch hinter der privaten Facebook-Fassade des scheinbar resozialisierten Oberpegidisten und selbst ernannten Ausländerfreundes Bachmann verbarg, zeigte sich am Mittwochabend unverblümt und professionell organisiert auf Leipzigs Straßen.

          Offen zu Schau getragener Islam- und Fremdenhass, garniert mit antiamerikanischen Parolen und Politikverachtung, obskuren Verschwörungstheorien und völkisch-nationaler Deutschtümelei.

          Dazu schaurige Schlachtgesänge von mehr als 300 Hooligans. Manche der Legida-Köpfe brauchen kein Hitler-Bärtchen, um ihre Nähe zu den Positionen der rechtsextremen und in Sachsen immer noch starken NPD zu demonstrieren.

          Oertel droht mit Unterlassungsklage

          Die Übergriffe auf Journalisten und Fotografen durch rechtsextreme Hooligans am Rande der Kundgebung zeigten das aggressive Potential des Leipziger Pegida-Ablegers. Ein großes Polizeiaufgebot verhinderte weitere Ausschreitungen.

          Einen Vorgeschmack, was Leipzig in den nächsten Wochen bevorstehen könnte, gab es schon vergangene Woche. Da demonstrierte die in Leipzig ebenfalls stark vertretene linksautonome Antifa-Szene in einem „spontanen“ Anti-Legida-Protest ihr Gewaltpotential.

          Schon hat Legida-Sprecher Hoyer, der gerade einmal 15.000 Leute mobilisieren konnte, „eine Million“ Demonstranten angekündigt. Sie sollen demnächst in Leipzig wieder gegen „Volksverräter“ und „Lügenpresse“ auf die Straße gehen.

          Dass die neue Pegida-Chefin Kathrin Oertel den Legida-Organisatoren schon mit einer Unterlassungsklage wegen Nichtübernahme des Dresdener Positionspapiers droht, spricht Bände. Längst haben dort andere ein Schiff für ihre trüben Zwecke gekapert, das schon in Dresden vom Kurs abkam.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

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