https://www.faz.net/-gpf-rqch

Leben nach dem Kanzleramt : Schröder berät Medienkonzern Ringier

  • Aktualisiert am

Schröder hat einen neuen Job gefunden Bild: AP

Das größte Schweizer Verlagshaus Ringier hat den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als Berater für Fragen der internationalen Politik engagiert. Schröder soll sein Amt im Januar antreten und dem Konzern „die ein oder andere Tür öffnen“.

          2 Min.

          Der Schweizer Medienkonzern Ringier hat den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Berater für Fragen der internationalen Politik engagiert. Schröder werde sein Amt im Januar antreten, teilte der Verleger Michael Ringier am Donnerstag in Zürich mit.

          Schröder habe „keinen 40-Stunden-Vertrag“, sagte ein Verlags-Sprecher in Zürich. Es werde aber davon ausgegangen, daß Schröder ein bis zwei Tage in der Woche an dem für ihn eingerichteten Arbeitsplatz in der Hauptzentrale des Konzerns in Zürich verbringe.

          „Die ein oder andere Tür öffnen“

          Ein Schwerpunkt der Arbeit werden Reisen mit dem Eigentümer des größten Schweizer Medienkonzerns sein. Scherpunkte hierbei seien Osteuropa und Asien. Man hoffe auf Schröders „politisches Feingespür“, um dem Verlag neue Märkte zu öffnen. Der Sprecher betonte, man sei im Konzern „sehr stolz“ darauf, den früheren deutschen Bundeskanzler als Mitarbeiter begrüßen zu dürfen.

          Schröders Medienkritik nach der Wahl war legendär
          Schröders Medienkritik nach der Wahl war legendär : Bild: AP

          „Diese Verpflichtung basiert auf einer freundschaftlichen Beziehung, die es seit einigen Jahren gibt. Es war eigentlich immer irgendwie klar, daß wir mal was zusammen machen, und jetzt ist eben der Zeitpunkt dazu gekommen“, sagte Eigentümer Michael Ringier am Donnerstag. Schröder sei „einer der großen Staatsmänner“ der heutigen Zeit. „Und er wird ganz bestimmt auch die eine oder andere Tür öffnen können.“ Über die Vergütung für Schröders Tätigkeit machte der Verlag keine Angaben.

          Ringiers „Cicero“ streitet mit dem Innenministerium

          Ringier ist das größte Verlagshaus der Schweiz und verlegt nach eigenen Angaben etwa 100 Publikationen in zehn Ländern, besitzt zehn Druckereien, produziert und vermarktet mehr als zehn Fernsehsendungen. Bei Ringier erscheint unter anderem das Boulevardblatt „Blick“ und die Wirtschaftszeitung „Cash“. In Deutschland gibt der Verlag das politische Monatsmagazin „Cicero“ heraus, das erst kürzlich in einen Streit mit dem Innenministerium unter dem scheidenden Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) geriet.

          Die Polizei hatte im September die Redaktion und die Wohnung des „Cicero“-Autors Bruno Schirra durchsucht und dabei etliche Unterlagen beschlagnahmt. Schirra hatte in einem Artikel über den Terroristen Abu Mussab al Zarqawi aus vertraulichen Unterlagen des Bundeskriminalamts zitiert.

          Das Magazin hält die Durchsuchungen für eine Verletzung der Pressefreiheit, die Bundesregierung verneinte jedoch noch Mitte November einen generellen Vorrang der schutzwürdigen Interessen von Journalisten gegenüber den Strafverfolgungsbehörden. Das Innenministerium hält auch die Beschlagnahme von Unterlagen für gerechtfertigt, die nichts mit jenem Fall zu tun haben, der die Durchsuchung ausgelöst hatte.

          Anbahnung im August?

          Schröder war im August während einer Auszeit vom Bundestagswahlkampf zu einem kurzen Privatbesuch in die Schweiz gereist. In Ascona am Lago Maggiore speiste der Kanzler mit etwa hundert geladenen Gästen aus der Schweiz und anderen europäischen Ländern. Veranstaltet wurde das Diner von Frank A. Meyer, Chefpublizist und Ringiers persönlicher Berater. (Siehe auch: Schröders neuer Job: „Was mit Medien“)

          Schröders Amtszeit als Bundeskanzler endete am Mittwoch um Mitternacht, nachdem Amtsnachfolgerin Angela Merkel am Dienstag vereidigt worden war. Sein Bundestagsmandat legte Schröder mit Wirkung vom heutigen Donnerstag an am Mittwoch nieder.

          Der 61 Jahre alte Politiker will wieder als Rechtsanwalt arbeiten und sich in Berlin niederlassen. Er hatte zudem angekündigt, ein Buch schreiben zu wollen.

          Weitere Themen

          „Dieses Weihnachten wird sehr anders“ Video-Seite öffnen

          Von der Leyen : „Dieses Weihnachten wird sehr anders“

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stimmt die Bürger der Gemeinschaft angesichts der Corona-Pandemie auf ein „sehr anderes Weihnachten“ ein. Europa stecke mitten in der zweiten Corona-Welle und der Ausgang der Krise hänge von jedem einzelnen ab, sagte von der Leyen.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Merkel mit Berlins Bürgermeister Müller (links) und Bayerns Ministerpräsident Söder (rechts) vor der Pressekonferenz

          Neue Corona-Regeln ab Montag : Merkel verkündet „nationale Kraftanstrengung“

          Merkel und die Ministerpräsidenten haben sich verständigt: Im November wird das Land in eine Art „Lockdown light“ versetzt. Restaurants werden geschlossen, Veranstaltungen und private Hotelübernachtungen verboten, Kontakte beschränkt. Alle stünden hinter dieser Entscheidung.
          Der F.A.Z. Wissen Podcast mit Joachim Müller-Jung und Sibylle Anderl 25:57

          F.A.Z. Wissen – der Podcast : Wo geschehen die Corona-Ansteckungen?

          Während die Infektionszahlen in die Höhe schnellen, stellt sich dringlicher denn je die Frage nach den Ansteckungswegen. Was weiß man mittlerweile darüber, wie und wo Sars-CoV-2 weitergegeben wird?
          Im Krisenmodus: Aktienhändler im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse

          Dax bricht ein : Die Angst der Anleger vor dem Worst Case

          Steigende Infektionen und das wiederholte Herunterfahren der Wirtschaft lassen die Aktienkurse einbrechen. Noch ist es weniger schlimm als im Crash-Monat März.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.