https://www.faz.net/-gpf-3ou1

Landreform : Simbabwe: Regierung kündigt hartes Durchgreifen an

  • Aktualisiert am

Sinnlose Vertreibung: Farmer Graham Douse belädt seinen Kleinlaster Bild: aptn

Binnen zweieinhalb Jahren hat Präsident Mugabe sein Land mit einer Landreform von der Kornkammer Afrikas zu einem Empfänger von Hilfslieferungen gemacht.

          2 Min.

          Im afrikanischen Simbabwe haben die meisten der von der Vertreibung bedrohten 2900 weißen Farmer ein Ultimatum zum Verlassen ihrer Höfe missachtet. Lediglich 400 von ihnen hätten ihre beschlagnahmten Besitzungen aufgegeben, berichtete der südafrikanische Rundfunk am Sonntag. Voller Spannung warteten die Bauern nun auf die Reaktion der Regierung von Präsident Robert Mugabe. Aufschluss über deren Haltung wird von einer Ansprache Mugabes erwartet, die er am Montag anlässlich des Heldentages in Simbabwe halten will. Man werde Maßnahmen gegen diese Gesetzesbrecher ergreifen, kündigte der Minister für Kommunalverwaltung, Ignatius Chombo, am Samstag an.

          In einer riesigen Staubwolke verschwindet der mit dem letzten Hab und Gut eines weißen Bauern beladene Transporter von der Farm. Nur ein Wachmann ist auf dem Hof im Westen Simbabwes zurückgeblieben, um auf das Haus, die Maschinen und die leere Tabakschuppen aufzupassen.

          Der Landwirt wollte mit seiner Familie nach zwei Jahren blutiger Gewalt kein Risiko mehr eingehen. Auch der einst blühende Nachbarhof im Bezirk Goromonzi steht leer. Weil er das Betreiben eines Ladens für einfacher und ungefährlicher hielt, hatte der weiße Besitzer schon im vergangenen Jahr das Handtuch geworfen.

          Ultimatum abgelaufen

          In der Nacht zum Freitag lief das Ultimatum für fast 3000 weiße Farmer ab, ihre Höfe zu verlassen und Platz für Schwarze zu machen. Die Anhänger von Präsident Robert Mugabe hatten die umstrittene Landreform als Vorwand für politische Morde sowie Einschüchterungen, Folter und Entführungen genommen.

          UN warnt vor Hungersnot

          Landlose Schwarze, die von der Regierung auf die verlassenen Farmen gesetzt wurden, haben Häuser gebaut und sich eingerichtet - die landwirtschaftlichen Geräte bleiben jedoch ungenutzt in der Scheune stehen. Die UN warnt aufgrund der Enteignungen vor einer Hungersnot, die fast die Hälfte der zwölf Millionen Simbabwer bedroht.

          In einem Land, das noch vor zwei Jahren als die Kornkammer im südlichen Afrika galt, wollen einige weiße Bauern deshalb die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Sie seien nach Ablauf des Ultimatums auf ihren Farmen geblieben, teilten die Bauernverbände in Harare am Freitag mit. Sie hatten Rechtsmittel gegen die angekündigte Enteignung eingelegt und warteten noch auf eine Entscheidung der Gerichte. Oder sie wussten einfach nicht, wohin sie gehen sollten. Erst am Donnerstag hatte ein Gericht für einen Teil der Enteignungen einen viermonatigen Aufschub gewährt. Ländereien, die mit Hypotheken belastet sind, dürfen demnach nicht einfach in Staatsbesitz fallen. Unklar blieb, wie viele Bauern von der Fristverlängerung profitierten.

          „Ich glaube nicht, dass es noch Hoffnung gibt“

          Rund 70 Prozent der fruchtbarsten Ländereien in dem südostafrikanischen Staat sind im Besitz von Weißen. Trotz ihrer Hoffnungen auf ein Einschreiten der Justiz zu ihren Gunsten haben nur wenige von ihnen ihre Felder bestellt. Eigentlich steht im kommenden Monat die Aussaat an. Viele fürchten aber, noch vor der Ernte ihren Hof verlassen zu müssen.

          Auch Landwirt Graham Douse aus Marondera, 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Harare, hat bereits am Mittwoch aufgegeben: „Ich glaube nicht, dass es noch Hoffnung gibt. Bisher hat diese Regierung immer getan, was sie angekündigt hat“, sagte Douse, bevor er seinen Hof verließ.

          Mehr über sein Schicksal erfahren Sie im FAZ.NET-Video. Klicken Sie dazu auf das Bild am linken Seitenrand.

          Weitere Themen

          „Trump hat keinen Plan“ Video-Seite öffnen

          Kampf gegen Coronavirus : „Trump hat keinen Plan“

          Die oppositionellen Demokraten im amerikanischen Senat haben die Trump-Regierung scharf angegriffen und ihr Planlosigkeit im Kampf gegen das Coronavirus unterstellt.

          Topmeldungen

          Wuhan und die Bilder des neuen Alltags: Medizinische Mitarbeiter mit Atemmasken und Schutzanzügen.

          Virenalarm: Schock und Risiko : Die Seuche in unseren Köpfen

          Der Coronakrisenstab übernimmt: Sind die Reaktionen auf die Ausbreitung der neuen Viren übertrieben oder angemessen? Die Angst vor der Panik ist mittlerweile so groß wie die Angst vor dem Erreger selbst.

          Angriffe auf Sanders : Bernie, die rote Gefahr?

          Was viele Demokraten über den Spitzenreiter Bernie Sanders sagen, geht über die übliche Kritik in einem Vorwahlkampf hinaus. Ist er ein Kommunist? Will er das Gesundheitswesen in Planwirtschaft ersticken? Ja, ist er überhaupt ein Demokrat?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.