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Deutsche Kolonialverbrechen : Lammert spricht von „Völkermord“

  • Aktualisiert am

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) Bild: dpa

Der Bundestagspräsident verurteilt deutsche Kolonialverbrechen im damaligen Deutsch-Südwestafrika als „Völkermord“. „Die Linke“ fordert von Parlament und Regierung eine offizielle Entschuldigung bei Namibia und den Nachkommen der Opfer.

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          Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia als „Völkermord“ bezeichnet. Wer vom Genozid an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich spreche, der müsse auch die Verbrechen gegen die Bevölkerung in Deutsch-Südwestafrika so bezeichnen, schreibt Lammert in einem Beitrag für die jüngste Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“. Lammert fügte hinzu: „An den heutigen Maßstäben des Völkerrechts gemessen war die Niederschlagung des Herero-Aufstandes ein Völkermord.“

          Deutschland zählte das heutige Namibia von 1884 bis 1915 unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika zu seinen Kolonien. Als die Herero 1904 einen Aufstand begannen und mehr als hundert Deutsche getötet wurden, ordnete General Lothar von Trotha die Vernichtung des Stammes an. Die Herero-Bevölkerung vor dem Massaker wurde auf 50.000 bis 80.000 geschätzt, es überlebten nur rund 15.000 Menschen. Zuletzt waren erneut Forderungen an Deutschland laut geworden, die Vergehen als „Völkermord“ anzuerkennen.

          Der Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“ Niema Movassat forderte, die Bundesregierung und Bundespräsident Joachim Gauck müssten „diesen Völkermord endlich anerkennen und in aller Form Namibia und die Nachfahren der Opfer um Entschuldigung bitten“. Deutschland stehe in der „moralischen und politischen Verantwortung und Verpflichtung“ gegenüber Namibia.

          „Ein Rassenkrieg“

          Lammert bezeichnete den Krieg der Deutschen gegen die Herero als einen „Rassenkrieg“. Lammert fügte hinzu: „Nicht nur den Kampfhandlungen, sondern auch Krankheiten und dem gezielten Morden durch Verdursten- und Verhungernlassen fielen Zehntausende Herero und Nama zum Opfer, andere starben in Konzentrationslagern oder bei der Zwangsarbeit.“

          Lammert hatte im April anlässlich der Vertreibung und Vernichtung der Armenier vor hundert Jahren im Osmanischen Reich ebenfalls von einem „Völkermord“ gesprochen. Auch Gauck schloss sich dieser Bewertung zur Verärgerung der Türkei an. Die Regierung in Ankara lehnt den Begriff „Völkermord“ entschieden ab. Sie zweifelt auch die Opferzahl an, die von armenischer Seite mit bis zu 1,5 Millionen Menschen angegeben wird.

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