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Lambrecht in Ukraine : „Brutalität darf keinen Erfolg haben“

  • Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD, 2.v.r) besichtigt mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow (r.) im Getreidehafen von Odessa Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard. Bild: dpa

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist überraschend in die Ukraine gereist. Dort hat die SPD-Politikerin dem Amtskollegen weitere Defensivwaffen zugesagt. Doch Kiew will mehr.

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          Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist zum ersten Mal seit Kriegsbeginn in die Ukraine gereist. In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wurde die SPD-Politikerin am Samstag von ihrem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow empfangen. Lambrecht sagte die Lieferung einer ersten Einheit des bereits versprochenen bodengestützten Luftabwehrsystems Iris-T SLM innerhalb weniger Tage zu. Selbst die Bundeswehr verfügt noch nicht über das hochmoderne System.

          Kurz vor dem zunächst aus Sicherheitsgründen geheim gehaltenen Besuch schlugen in Odessa nach ukrainischen Angaben in einem Industriegebiet zwei russische Iskanderraketen ein. Verletzt wurde niemand. Am Nachmittag musste Lambrecht selbst wegen eines Luftalarms zeitweise in einen Bunker.

          Lambrecht inspiziert Gepard-Flugabwehrpanzer

          Die Ministerin informierte sich im Hafen von Odessa über den Einsatz eines von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Flugabwehrpanzers vom Typ Gepard. Deutschland hat dem von Russland angegriffenen Land insgesamt 30 dieser Panzer inklusive etwa 6000 Schuss Munition geliefert. Das System helfe beim Schutz der „kritischen Infrastruktur“, bei der Abwehr von russischen Luftangriffen, sagte sie im Getreidehafen. Von dort wird das ukrainische Getreide übers Schwarze Meer in die Welt exportiert, nachdem die Lieferungen lange von Russland blockiert worden waren. Lambrecht sprach auch mit der in Deutschland ausgebildeten Gepard-Mannschaft.

          Ein geplanter Besuch in der rund 40 Kilometer von der Front gelegenen Stadt Mykolajiw musste aus Sicherheitsgründen wegen drohender russischer Raketen- und Artillerie-Angriffe abgesagt werden. In dem Gebiet wollte Lambrecht ursprünglich zusammen mit Resnikow ebenfalls Waffenstellungen, Ausbildungseinrichtungen und Aktivitäten zur Minenräumung besichtigen.

          Ministerin muss bei Luftalarm in Schutzbunker

          Wegen eines Luftalarms, der 45 Minuten dauerte, musste die 57-Jährige am Nachmittag in einem Bunker Schutz suchen. Resnikow sagte, die Russen hätten eine Kalibr-Rakete abgeschossen, höchstwahrscheinlich von einem Schiff aus. Im Bunker warb er für die Lieferung von Anti-Schiffs-Raketen. Die SPD-Politikerin sagte, die Situation mache deutlich, wie wichtig die rasche Lieferung einer ersten Einheit des bodengestützten Luftabwehrsystems Iris-T SLM sei.

          Lambrecht sprach von einer Lieferung in ein paar Tagen und lobte die ukrainische Mannschaft des Systems, die sie bei der Ausbildung in Deutschland getroffen habe. „Die Ukraine erlebt zurzeit unfassbar viele Luftangriffe, und deswegen ist es so wichtig, dass wir in Bezug auf Luftverteidigung noch mehr unterstützen“, sagte die Ministerin und betonte: „Sie kann sich da auf uns verlassen.“ Resnikow sagte, die Ukrainer würden so lange kämpfen, bis alle ihre Gebiete befreit seien – einschließlich der schon von 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim.

          Resnikow und Lambrecht während einer hitzigen Diskussion im Luftschutzbunker.
          Resnikow und Lambrecht während einer hitzigen Diskussion im Luftschutzbunker. : Bild: dpa

          Lambrecht betonte bei der Besprechung mit Resnikow im Schutzbunker: „Brutalität darf keinen Erfolg haben.“ Es sei wichtig, dass die EU geschlossen bei den Sanktionen bleibe. Es müsse auch über zusätzliche Sanktionen gesprochen werden. Verständnis zeigte die Ministerin für den Antrag der Ukraine, rasch in die Nato aufgenommen zu werden. Für ein solches Verfahren müssten aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. „Und ganz wichtig ist: Die Nato hat sich klar positioniert, wir werden keine Kriegspartei.“

          Resnikow hatte seine Kollegin zunächst in einem Hotel direkt am Schwarzen Meer zum Mittagessen empfangen. Beide umarmten sich zur Begrüßung herzlich.

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