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Kurt Westergaard : Ein ungebeugter Karikaturist - aber kein Märtyrer

  • -Aktualisiert am

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard: Provozierende Zeichnungen als Engagement für die Freiheit Bild: REUTERS

Mutig sei er nicht, aber zu alt und starrköpfig, um sich zu beugen, und voller Wut, sagt Kurt Westergaard, der 74 Jahre alte dänische Karikaturist. Seine Zeichnung des Propheten Mohammed fachte den Kulturkampf zwischen der westlichen und der muslimischen Welt an.

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          Früher, sagt er ein wenig verbittert und etwas amüsiert, habe er sich bei einer Herzoperation den Ärzten anvertrauen müssen und heute der PET, dem dänischen Polizeigeheimdienst. Dieser bewacht Kurt Westergaard seit drei Jahren. Seitdem muss er ständig umziehen in Häuser von Freunden oder in Sommerhütten. Als er am Neujahrstag ausnahmsweise im eigenen Haus in Aarhus war, kam der Angreifer mit der Axt; der 74 Jahre alte Karikaturist konnte sich in sein als Festung ausgebautes Badezimmer retten.

          Vor gut vier Jahren wurde Westergaard ungewollt berühmt mit einer der zwölf Karikaturen zum Propheten Mohammed, die die Beziehungen Dänemarks zur islamischen Welt erschütterten, die Pressefreiheit in Bedrängnis brachten und den Kulturkampf zwischen der westlichen und der muslimischen Welt anfachten. Aus zwei Gründen wurde er zum Symbol: Seine Zeichnung war schärfer und pointierter als die anderen. Er zeichnete eine Bombe im Turban des finster dreinschauenden Propheten. Zudem bekannte sich Westergaard ohne Einschränkung oder gar Entschuldigung zu seiner Zeichnung.

          Zeichnung als „Teil der dänischen Geschichte“

          Er sieht sich nicht als Märtyrer der Pressefreiheit oder als Symbol - er sei nur, sagt er, ein Karikaturist, der seine Arbeit getan und dabei dänische Grundwerte verteidigt habe. Dabei sah er diese Zeichnung, die er nun als „Teil der dänischen Geschichte“ im Banksafe verwahrt, als technisch einfach an.

          Mutig sei er nicht, aber zu alt und starrköpfig, um sich zu beugen, und voller Wut. Falls er gefragt würde, wie im Herbst 2005 von der Zeitung „Jyllands-Posten“, ob er Mohammed zeichnen wolle, täte er es wieder.

          Dabei verwahrt er sich nicht nur gegen Anfeindungen von Anpassern, sondern auch gegen jene, die ihn vereinnehmen wollen, etwa die in Dänemark starken Rechtspopulisten. Seine Familie ist „multiethnisch“. So lebt der Atheist mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen auch bei seinen Kindern und Enkeln. Gewählt hat er stets die Sozialdemokraten. Von Fanatikern jeder Couleur lässt er sich nicht einschüchtern - als junger Mensch habe er „Faschismus und Kommunismus“ erlebt. Das hat ihn gefeit.

          Die eigenwillige und freisinnige Haltung zeigt sich schon im Äußeren des liebenswert-umgänglichen Herrn mit blondgrauem Vollbart: Mal trägt er rote Hosen, Socken und Halstücher, zudem einen Lederhut, mal ein Jackett mit Trassen. So ist er, hochgewachsen, erkennbar auf der Straße seines Heimatorts Aarhus, wo Autofahrer ihr Fenster herunterkurbeln und ihm Mut spenden.

          Seinen Wechsel vom Deutschlehrer und Leiter einer Behindertenschule zum Karikaturisten vor gut 25 Jahren bereut Westergaard nicht. In seiner Arbeit kann er seine Phantasie ausleben und sein Engagement für die Freiheit. Dass seine Zeichnung provozierend sei, habe er gewusst - aber davon lebe die Satire.

          Im dänischen Kulturkreis gebe es nichts, was heilig sei: Auch christliche Symbole verspottete Westergaard. Mit seiner Mohammed-Zeichnung habe er nicht den Islam angreifen wollen, sondern die Terroristen, die den Propheten als Geisel nehmen und ihre Munition vom Islam erhalten.

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