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Kurienreform : Baustelle Vatikan

  • -Aktualisiert am

Der Christbaum auf dem Petersplatz steht bereits. Baustelle wird der Vatikan aber noch lange bleiben Bild: dpa

Die von Papst Franziskus angestoßene Reform der Kurie braucht viel Zeit. Schließlich sollen sich die Kardinäle nicht nur auf marginale Nachbesserungen und Änderungen beschränken.

          Die Beratungen über die Kurienreform werden noch viele Monate beanspruchen. Zum Ende der zweiten Sitzungsperiode der „G 8“, der acht „großen“ Kardinäle aus aller Welt, die Papst Franziskus bei der Reform beraten, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi, man sei noch „auf der ersten Etappe einer langen Reise“. Es sei ganz sicher nicht zu erwarten, dass der Prozess mit der dritten Sitzung im Februar abgeschlossen werde. Die Kardinäle sollten „in die Tiefe gehen und sich nicht auf marginale Nachbesserungen und Änderungen beschränken“. Damit wird Franziskus beim Konsistorium im Februar, wenn er erstmals das Kardinalskollegium zusammenruft und wohl auch neue Mitglieder aufnimmt, kein Organigramm der reformierten Kurie vorstellen können. Immerhin schlossen die Kardinäle, die im Gästehaus Santa Marta tagten, aber die Beratungen über die Kongregationen ab, die kurialen „Ministerien“ mit Entscheidungsbefugnis also.

          Schon im Vorkonklave, vor der Wahl von Franziskus im März, war vom Wunsch einer tiefgreifenden Kurienreform die Rede gewesen. Benedikt XVI. war auch deswegen zurückgetreten, weil er zwar seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005 die Notwendigkeit einer solchen beteuerte, sich selbst aber als zu alt und schwach erachtete. Tiefgreifende Änderungen setzte er allerdings beim „Institut für religiöse Werke“ (IOR), also der „Vatikanbank“, durch, die seither auf dem Weg zum transparenten Finanzinstitut des Heiligen Stuhles ist. Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus und der Einsetzung der G 8 im April sind die Erwartungen an eine Reform immer gestiegen. Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga, Koordinator der G 8, sprach vage von zwei Jahren, die die Arbeiten dauern dürften. Immerhin habe man für die letzte Kurienkonstitution – „Pastor Bonus“ von 1988 – drei Jahre gebraucht. Jetzt soll offenbar jene Konstitution wieder außer Dienst gestellt und durch eine neue ersetzt werden.

          Die Öffentlichkeit kann bisher nur erahnen, was das konkret bedeuten mag. Bisher hat Papst Franziskus die meisten Chefs der nur beratenden Räte – anders als die der Kongregationen – nicht in ihren Ämtern bestätigt; so hält sich das Gerücht, dass Päpstliche Räte, wie der für die Familie oder jener für die Pastoral im Krankendienst, in passenden Kongregationen aufgehen sollen. Um diese Räte, die „kleinen“ Ministerien, soll es bei der nächsten G-8-Runde vom 17. bis 19. Februar in Rom gehen. Da hinter verschlossenen Türen beraten wird, ist bisher kaum etwas bekanntgeworden. Aber es gibt Hinweise: In der Kleruskongregation entließ der Papst mit Blick auf „neue Strukturen“ nicht nur sechs Monsignori, die zur konservativen Bewegung „Opus Dei“ gehören; durch Umbauten werden dort auch Räume für vier weitere Büros geschaffen. Es hat den Anschein, als sollten vier bisherige Mitarbeiter in einem der Räte in dieser Kongregation Unterschlupf finden.

          Mit der Reform der Vatikanbank tut sich der Papst besonders schwer

          Offenbar denkt der Papst auch daran, den erst 2010 gegründeten Rat für die Neuevangelisierung neu zu strukturieren; mit dessen Chef Erzbischof Rino Fisichella arbeitet er offenbar gut zusammen. Eine finanziell mächtige Institution ist die Kongregation für die Evangelisierung der Völker „Propaganda Fide“, die seit vier Jahrhunderten besteht. Sie könne mit Fisichellas Rat zu einer Einheit verschmolzen werden, heißt es. Eine in den vergangenen Jahrzehnten besonders wichtig gewordene Institution, die das Gespräch mit den evangelischen und orthodoxen Kirchen betreut, (aber auch den Dialog mit den Juden), ist der „Rat zur Förderung der Einheit der Christen“, den viele Jahre Walter Kardinal Kasper leitete und an dessen Spitze nun der Schweizer Kurt Kardinal Koch steht. Er wurde in seinem Amt bisher offenbar nicht bestätigt; andererseits erscheint es kaum vorstellbar, dass dieser Rat in der Glaubenskongregation aufgehen könnte, die freilich mit Erzbischof Gerhard Ludwig Müller von einem Fachmann der Ökumene gelenkt wird, den der Papst längst im Amt bestätigte.

          In der Kurie wird viel gemunkelt, dass beim päpstlichen Laienrat und der Kommission „Ecclesia Dei“ Änderungen anstünden. Das Sozialwerk des Papstes „Cor Unum“ könnte aufgelöst werden und im „Institut für religiöse Werke“ (IOR) aufgehen, heißt es weiter. Freilich tut sich der Papst bei der Reform der Vatikanbank offenbar besonders schwer. Er hat nicht nur Schwierigkeiten, wirtschaftliche Zusammenhänge zu deuten, wie die Lektüre seiner Exhortatio „Evangelii gaudium“ zeigt. Sein Misstrauen gegen die vor Jahren noch korrupt geführte Bank ist weiter so groß, dass er dem IOR immer wieder neue Kontrollmechanismen zuordnet. Der Papst regt die Bildung einer Art Finanzministerium an. Was das für das IOR bedeuten könnte, ist nicht absehbar. Bei allen Reformen, heißt es, gehe es um Effizienz, Sparen, Transparenz und die Kollegialität zwischen den Institutionen. Dazu soll sogar ein eigener „Kurienmoderator“ eingesetzt werden. Eine neue Institution wurde diese Woche schon geboren: eine Kommission, die den Kampf gegen den Missbrauch von Schutzbefohlenen koordinieren soll.

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