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: Künast, das dreifache Novum

  • -Aktualisiert am

Renate Künast, Landwirtschaftsministerin in spe Bild: dpa

Renate Künast ist das dreifache Novum: Eine Frau an der Spitze des Landwirtschaftsministeriums, eine „grüne“ noch dazu, außerdem ohne Herkunft aus der Bauern-Lobby.

          Sie steht im Ruf eines Energiebündels, und viel Energie wird die bisherige Grünen-Chefin Renate Künast in ihrem neuen Amt als Bundeslandwirtschaftsministerin auch benötigen.

          Zu ihrem neu zugeschnittenen Ressort gehört die erweiterte Zuständigkeit für den Verbraucherschutz und damit vermutlich die Federführung beim Kampf gegen die Rinderseuche BSE. Viel Kraft wird auch vonnöten sein, die als Konsequenz aus der Rindfleischkrise von der rot-grünen Koalition gewollte Umorientierung von der industriellen zur ökologischen Landwirtschaft gegen den Widerstand der mächtigen und hoch subventionierten Bauern-Lobby durchzusetzen.

          Grün, Frau, unabhängig

          Auf Bundesebene ist die 44-jährige Juristin aus Berlin ein dreifaches Novum: Zum ersten Mal steht mit ihr eine Frau an der Spitze des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Und im Gegensatz zu allen ihren Vorgängern ist erstmals keine Vertreterin der bisweilen lautstark für ihre Interessen demonstrierenden Bauern für die Agrarpolitik verantwortlich. Hinzu kommt, dass Künast als erstes Mitglied der Grünen das Ressort leitet.

          Durchsetzungskraft und Zähigkeit hat die von Mitarbeitern als herzlich und arbeitswütig beschriebene Frau schon mehrfach bewiesen. Aus einfachen Verhältnissen stammend studierte die gebürtige Recklinghäuserin Sozialarbeit und arbeitete zwischen 1977 und 1979 als Sozialarbeiterin im größten deutschen Männergefängnis in Berlin-Tegel. Später studierte sie Jura und war als Anwältin tätig.

          Links der Mitte

          In die Politik und zu den Grünen kam die 44-Jährige, die sich der linken Mitte ihrer Partei zurechnet und ihren scharfen Spott bekannt , über die Anti-Atom-Bewegung. Während des Jurastudiums demonstrierte sie in den 80er Jahren in Gorleben gegen die Wiederaufarbeitungsanlage für Atommüll.

          1985 zog sie erstmals ins Berliner Abgeordnetenhaus ein und übernahm 1989 nach der Bildung des rot-grünen Senats in der damals noch geteilten Stadt den Fraktionsvorsitz der seinerzeitigen Alternativen Liste (AL). Im Juni vorigen Jahres wurde Künast zusammen mit Fritz Kuhn an die Spitze der Grünen gewählt. Sie werde keine einfache Bundesvorsitzende sein, hatte sie die Delegierten gewarnt und dennoch 83 Prozent der Stimmen erhalten. Künast steht für die grüne Identität, hat nach eigenem Bekunden aber eine tiefe Abneigung gegen alles Dogmatische. So habe sie im Gegensatz zu ausgewiesenen Realos nie einer kommunistischen Gruppe angehört.

          Künast betritt als neue Landwirtschaftsministerin fachlich völliges Neuland: Denn Agrarpolitik hat bisher nicht zu ihren zentralen politischen Anliegen gehört. Die lagen viel mehr bei den Bürgerrechten, der Liberalität in der inneren Sicherheit, dem Schutz von Minderheiten und der Gleichstellung der Geschlechter.

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