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Nord Stream 2 : Ist Kubicki der neue Möllemann der FDP?

Kühner Vorstoß zu Nord Stream 2: Ist Wolfgang Kubicki nun der Schröder der FDP? Oder ihr neuer Möllemann? Bild: dpa

Der Bundestagsvizepräsident ist nicht so naiv, wie er argumentiert. Er setzt darauf, dass die Leute lieber Gas haben wollen als Sanktionen.

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          Auch die FDP hat jetzt ihren Schröder. Er heißt Kubicki. Mit seinem Vorschlag, die Gaspipeline Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen, brachte er die ganze Parteiführung einschließlich des Vorsitzenden, seines Freundes Lindner, auf die Palme. Selbst noch in der SPD, die sich bis zum Überfall Putins auf die Ukraine an das Märchen geklammert hatte, die Röhre sei bloß ein „privatwirtschaftliches“ Projekt, das dem Frieden diene, wurde Kubickis Forderung als propa­gandistischer Handlangerdienst für Putin gegeißelt. In der Tat hätte Kremlsprecher Peskow die Behauptungen, mit denen der stellvertretende FDP-Vorsitzende und Bundestagsvizepräsident hantiert, nicht schöner vortragen können.

          Lässt sich damit der Abwärtstrend der FDP stoppen?

          Kann der alte Hase Kubicki wirklich so naiv sein, wie er argumentiert? Es sieht eher so aus, als glaube hier jemand, ein Thema gefunden zu haben, mit dem sich der Abwärtstrend der FDP stoppen lässt. Denn zweifellos hätten die Deutschen, Privatleute wie Unternehmer, lieber eine sichere Gasversorgung als die Zitterpartie, die ihnen für den Winter prophezeit wird. Die schnelle und massive Kritik an Kubicki aus allen Regierungsparteien und auch aus der Union zeigt, wie groß die Sorge ist, der Aufruf zur Rücknahme von Sanktionen, beginnend mit der Inbetriebnahme der teuren neuen Pipeline, könne auf wachsende Resonanz im Volk stoßen. Vielleicht hat die FDP doch keinen Schröder, sondern einen neuen Möllemann.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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