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Kritik an Gauck und Gülen : Erdogans Zorn

Mit Predigern gleich welcher Konfession hat der türkische Ministerpräsident Erdogan in jüngster Zeit seine Not. Sein Zorn richtet sich auch gegen Bundespräsident Gauck.

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          Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat einst zwar eine islamische Imam-Hatip-Schule besucht, an der auch Vorbeter und Prediger für Moscheen ausgebildet werden. Mit Predigern gleich welcher Konfession hat er in jüngster Zeit aber seine Not. Den im amerikanischen Exil lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen hat Erdogan zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt. Am Dienstag forderte er die Vereinigten Staaten sogar auf, Gülen an die Türkei auszuliefern, damit ihm dort der Prozess gemacht werden könne. Gülens Anhänger hätten nämlich einen Schattenstaat in der Türkei errichtet und trachteten nach seinem Sturz.

          Erdogans Zorn richtete sich am Dienstag aber auch gegen einen anderen (ehemaligen) Prediger: Der deutsche Bundespräsident halte sich wohl immer noch für einen Pastor, schimpfte der türkische Regierungschef unter Verweis auf die Biografie von Joachim Gauck. Der hatte bei seinem Staatsbesuch in diplomatischen, gleichwohl deutlichen Formulierungen die demokratischen und rechtstaatlichen Rückschritte, die der EU-Beitrittskandidat Türkei in jüngster Zeit gemacht hat, beim Namen genannt.

          Von der türkischen Regierung kontrollierte Medien, die keinen Satz drucken oder senden, der ihrem Ministerpräsidenten nicht genehm wäre, unterstellten Gauck daraufhin flugs, er sympathisiere mit der Gülen-Bewegung. Erdogan verfährt nach der Devise, dass jeder, der nicht sein Freund ist, sein Feind sei. Eine Auslieferung Gaucks an die Türkei verlangte er bisher jedoch nicht.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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