https://www.faz.net/-gpf-7n6fn

Krise in der Ukraine : Serbische Freischärler ziehen auf die Krim

  • Aktualisiert am

Bekommen Unterstützung aus Serbien: Moskau-treue „Selbstverteidigungskräfte“ auf der Krim Bild: dpa

Eine Gruppe selbsternannter serbischer Freiheitskämpfer ist in Sewastopol eingetroffen, um Russland bei dem gewaltsamen Anschluss der Krim zu unterstützen. Belgrad will die Freischärler bestrafen.

          2 Min.

          Serbiens Regierung will serbische Staatsbürger, die als Freischärler auf die Krim ziehen, um dort in einem möglichen Krieg zu kämpfen, bei ihrer Rückkehr bestrafen. Das kündigte der stellvertretende serbische Ministerpräsident Rasim Ljajić am Wochenende an. „Die Abreise unserer Bürger, um Kriege in anderen Ländern zu führen oder sich fremden Streitkräften anzuschließen, sollte bestraft werden. Wir sollten unsere Gesetzgebung ergänzen, um das zu ermöglichen“, sagte Ljajić, ein aus Serbiens Grenzgebiet zu Bosnien und Montenegro stammender Muslim.

          Er sprach sich dafür aus, dass Freiwillige oder Söldner künftig Haftstrafen von bis zu fünf, Organisatoren von Freikorps sogar von bis zu zwölf Jahren gewärtigen müssen. Wenn Serben auf die Krim zögen, berühre das nämlich Serbiens diplomatische Interessen, wurde er weiter zitiert. In Bosnien gibt es seit längerem eine Diskussion darüber, wie sich der Staat gegenüber seinen Bürgern verhalten soll, die als Freiwillige in den syrischen Krieg ziehen.

          Der Hintergrund von Ljajićs Warnung ist, dass eine Gruppe selbsternannter serbischer Freiheitskämpfer in Sewastopol eingetroffen ist, um Russland bei dem gewaltsamen Anschluss der Krim zu unterstützen. Die Serben kamen nach eigener Aussage auf Einladung russischer Nationalisten auf die Krim. Ihre Aufgabe sei es unter anderem, an Straßenposten Fahrzeuge und Passagiere zu kontrollieren. Serbische Medien schränkten ein, niemand wisse, wie viele Serben auf der Krim sind.

          Bislang weniger als ein Dutzend Männer

          Zu einer Solidaritätskundgebung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und Moskaus Krim-Politik vor der russischen Botschaft in Belgrad waren dieser Tage nur etwa 150 Personen erschienen, und die serbische Vorhut in Sewastopol besteht offenbar einstweilen nur aus weniger als einem Dutzend Männern. „Aber immer mehr Freiwillige wollen sich uns anschließen. Langsam wächst unsere Gruppe zu einer Einheit heran“, zitierten serbische Medien eine Erklärung der Gruppe.

          Der Zeitung „Politika“ sagte ein Teilnehmer der serbischen Krim-Expedition, man sei nicht zum Kämpfen gekommen, sondern nur, um den Russen „moralische Unterstützung“ zu leisten. Ein anderer serbischer Krim-Freiwilliger, ein gewisser Malisic, sagte hingegen, seine Gruppe wolle sich erkenntlich zeigen dafür, dass während der Balkankriege Russen auf serbischer Seite gekämpft hatten.

          Der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass sagte er: „Wir wollen das russische Volk im Namen des serbischen Volkes unterstützen. Wir repräsentieren die Tschetnik-Bewegung, die den russischen Kosaken ähnelt.“ Auf Youtube ist ein Video zu sehen, in der ein serbischer Kämpfer auf der Krim bei einer Kundgebung sagt, Serben und Russen seien „ein Volk“, da „das gleiche slawische Blut“ in ihnen flösse. Serbiens Regierung tritt dagegen mit Blick auf das seit 2008 unabhängige Kosovo, das weiterhin als Teil des eigenen Landes beansprucht wird, für die territoriale Integrität der Ukraine ein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson in Hartlepool. In der früheren Labour-Hochburg gewannen die Konservativen eine Nachwahl für das Parlament.

          Britische Regierungspläne : „Stop the brain drain“

          Boris Johnson will, dass die Bürger für die Arbeitssuche nicht mehr in die Metropolen ziehen müssen. Die Times spricht von einer „historischen Abkehr“ von der Thatcher-Zeit.
          Die Runde von „hart aber fair“: Hubertus Heil, Julia Friedrichs, Lencke Wischhusen, Arndt Kirchhoff, Djamila Kordus und Frank Plasberg (von links).

          TV-Kritik: Hart aber fair : Fünf Häuptlinge und eine „Indianerin“

          Was bedeutet das Versprechen des sozialen Aufstiegs? Früher hieß es, die Bürger sollten mitbestimmen. Das „Wirtschaftswunder“ zielte auf sozialen Ausgleich. Wie es um den bestellt ist, zeigt „hart aber fair“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.