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Kriegsverbrecher-Tribunal : Weitere Anklage gegen Milosevic

  • Aktualisiert am

Streng bewacht: der Angeklagte Milosevic Bild: dpa

Mit dem Argument, er habe sein Land gegen Terroristen verteidigt, weist Milosevic vor dem Haager Tribunal alle Vorwürfe zurück.

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          Slobodan Milosevic muss sich nun auch für Gräueltaten in Kroatien verantworten. UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte hat an diesem Montag ihre Anklage gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten um den Mord an mehreren hundert Zivilisten sowie die Vertreibung von rund 170.000 Kroaten aus ihrer Heimat erweitert.

          Milosevic wies die neue Anklage ebenso wie die bisherigen wegen Verbrechen im Kosovokrieg als „konstruiert“ zurück. Erneut bezeichnete er das Haager Tribunal als „illegal“. „Hier wird das Opfer zum Täter erklärt“, rief er erregt. Dem einstigen Staatschef, der am Montag zum dritten Mal vor dem Tribunal erschien, wurden bislang die Verantwortung für 600 Morde im Kosovo und für die Vertreibung von 740.000 Albanern aus der serbischen Provinz angelastet.

          Milosevic: Recht auf Selbstverteidigung

          Milosevic wiederholte seine schon bei einer früheren Vorführung vorgebrachten Erklärung, dass er lediglich das Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch genommen habe. Er habe sein Land gegen Terrorismus verteidigt. Milosevic warf zudem den Regierungen Serbiens und Jugoslawiens vor, bei seiner Auslieferung gegen die Verfassungen der Republik Serbiens und der Bundesrepublik Jugoslawiens verstoßen zu haben.

          Milosevic lehnte es ab, sich zu der insgesamt 32 Punkte umfassenden Kroatien-Anklage zu äußern. Das Gericht wertete die Weigerung als „Nicht-Schuldig“-Erklärung. Als der Angeklagte auch noch gegen den früheren kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman wetterte, schaltete ihm der Richter das Mikrofon ab.

          Erstmals erschienen am Montag auch die drei für Milosevic ernannten Anwälte vor Gericht: der Brite Steven Kay, der Niederländer Mischa Wladimiroff, und der Belgrader Anwalt Branislav Tapuskovic. Tapuskovic stellte die Legitimation des Gerichtes in Frage, Kay beschuldigte das Gremium der Voreingenommenheit. Als Beispiel führte Kay das Interviewverbot an, das nur Milosevic, nicht aber der Anklage auferlegt wurde. Milosevic erklärte, die drei Rechtsanwälte seien vom Gericht ernannt worden; er selbst habe mit ihnen nichts zu tun.

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