https://www.faz.net/-gpf-7iemv

Kriegsverbrecher : Jüdische Gemeinde in Rom: Priebke in Deutschland beisetzen

  • Aktualisiert am

Erich Priebke 2007 in Rom Bild: AP

Der NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke ist tot – und niemand will den Leichnam beerdigen. Argentinien verweigert eine Beisetzung, und auch in Rom regt sich Widerstand.

          1 Min.

          Nach dem Tod des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke wächst in Italien der Widerstand gegen eine Beisetzung im eigenen Land. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Rom, Riccardo Pacifici, schlug am Sonntag eine Überführung des Leichnams nach Deutschland vor. Priebke solle in seiner Geburtsort Hennigsdorf in Brandenburg beigesetzt werden.

          „Es gibt nur eine Lösung“, sagte Pacifici. „Nach aller Logik sollte er in das Land zurückkehren, in dem er geboren wurde. Und das ist Deutschland.“

          „Affront gegen die Menschenwürde“

          Zuvor hatte Argentinien bereits eine Beisetzung des Leichnams in Priebkes langjährigem Wohnort Bariloche abgelehnt. Daraufhin wurde die Trauerfeier nach Rom verlegt. Wie die staatliche argentinische Nachrichtenagentur „Telam“ am Sonntag berichtete, kündigte Priebkes Anwalt Paolo Giachini an, die Zeremonie solle am Dienstag in der italienischen Hauptstadt abgehalten werden.

          Argentiniens Außenminister Héctor Timerman teilte mit, sein Land werde keinerlei Anträge auf eine Überführung von Priebkes Leichnam annehmen. „Die Argentinier akzeptieren solch einen Affront gegen die Menschenwürde nicht“, sagte er. Die argentinische Regierung reagierte damit auf die Ankündigung von Priebkes Anwalt, dass der Leichnam auf einem Friedhof in der südargentinischen Stadt Bariloche neben dem Grab von Priebkes Frau beerdigt werden soll.

          Der frühere SS-Offizier war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflüchtet und lebte fast fünfzig Jahre unbehelligt in Bariloche. 1994 wurde er von einem amerikanischen Journalisten aufgespürt und ein Jahr später auf Antrag der italienischen Justiz nach Italien ausgeliefert. 1998 wurde er wegen seiner Beteiligung an der Erschießung von 335 italienischen Zivilisten im März 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt. Priebke hatte die Strafe jedoch wegen seines hohen Alters knapp 15 Jahre lang im Hausarrest verbüßt. Weltweit hatten jüdische Organisationen wiederholt gegen die laxen Haftbedingungen für den verurteilten NS-Kriegsverbrecher protestiert. Am vergangenen Freitag war er im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben.

          Weitere Themen

          Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.

          Topmeldungen

          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.
          Neues Ziel Hongkong: Didi-Fahrer chauffiert einen mit App bewaffneten Fahrgast durch Peking.

          Didi-Delisting : China löst sich von der Wall Street

          Der erst vor einem halben Jahr in New York notierte chinesische Fahrdienst Didi zieht sich auf Druck der übermächtigen Kommunistischen Partei zurück – und lässt sich stattdessen in Hongkong listen.
          Die SPD-Führung am Sonnabend in Berlin

          SPD für Koalitonsvertrag : Diese Koalition wird kein Selbstläufer

          Der baldige Kanzler Scholz hat die Rückendeckung seiner Partei. Aber es lauern Gefahren: Die SPD stellt die Regierungsjahre mit der Union als Zeit der sozialen Kälte dar. Und die erfolgreiche Geschlossenheit könnte rissig werden.