https://www.faz.net/aktuell/politik/kriegsverbrechen-in-der-ukraine-kiew-will-ein-sondertribunal-18507598.html

Die Lage im Krieg : Die Ukraine bangt um ihre Kriegsgefangenen

  • Aktualisiert am

„Wir werden keinen einzigen Ukrainer in russischen Gefängnissen, Lagern und Haftanstalten zurücklassen. Wir denken an alle“, so Präsident Selenskyj. Bild: dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj feiert die Rückkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft – doch die Sorge um Tausende noch Inhaftierte bleibt. Kiew will ein Sondertribunal für russische Kriegsverbrechen bilden. Der Überblick.

          4 Min.

          In einer kurzen Zeremonie hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Rückkehr einiger Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft gefeiert. „Es war ein besonderer Tag in einer besonderen Woche“, sagte er dazu am Freitagabend in seiner täglichen Videoansprache. Zugleich kündigte er an, weitere Soldaten aus russischen Gefangenenlagern zurückzuholen. „Wir werden keinen einzigen Ukrainer in russischen Gefängnissen, Lagern und „Isolationen“ (Haftanstalten) zurücklassen. Wir denken an alle.“

          Selenskyj hatte am Nachmittag in Kiew einer Reihe von ehemaligen Kriegsgefangenen Medaillen verliehen. In den vergangenen Tagen hatten Russland und die Ukraine mehrmals Kriegsgefangene ausgetauscht. Nach Selenskyjs Angaben waren auf diese Art seit Kriegsbeginn im Februar insgesamt 1331 ukrainische Soldaten aus russischer Gefangenschaft freigekommen. Unterdessen bemüht sich Kiew weiter um ein Sondertribunal, um russische Kriegsverbrechen zu verfolgen.

          „Solange weiter gekämpft wird, solange in den Schützengräben unsere Helden sterben und solange auch nur ein Gefangener in den Händen des Feindes ist – solange ist dieser Krieg weder für mich noch sicherlich für jeden von Ihnen beendet“, sagte er nach Angaben der Präsidialkanzlei während der Zeremonie. Samstag ist der 283. Tag des russischen Angriffskriegs gegen sein Nachbarland.

          Bemühungen um Sondertribunal gehen weiter

          Die Bemühungen der ukrainischen Führung, mit westlicher Unterstützung ein Sondertribunal zur Verfolgung russischer Kriegsverbrechen zu bilden, gehen nach den Worten Selenskyjs weiter. Es werde weiter daran gearbeitet, eine „kritische Masse“ an Unterstützern zu gewinnen, dieses Tribunal zu bilden. Nach den Vorstellungen Kiews sollte es nach dem Vorbild des Nürnberger Tribunal entstehen. Waren in Nürnberg die Nazis zur Verantwortung gezogen worden, so soll bei diesem Sondertribunal laut Kiew die politische und militärische Führung Russlands für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zur Rechenschaft gezogen werden.

          „London, Paris, Berlin, Warschau und andere Hauptstädte – wir stärken unsere Position überall und sammeln die Unterstützung unserer Partner“, sagte Selenskyj am Freitagabend. „Ich bin sicher, dass es ein Tribunal geben wird, es wird Gerechtigkeit geben.“

          EU, G7 und Australien wollen Preis für russisches Öl deckeln

          Die sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) und Australien wollen in Absprache mit der Europäischen Union eine Preisobergrenze für Erdöl aus Russland umsetzen. Das teilten die G7 und Australien in der Nacht zum Samstag mit. Die Staaten wollen Russland dazu zwingen, Erdöl künftig unter Marktpreis an Abnehmer in anderen Staaten zu verkaufen. Die am Freitag erzielte Absprache sieht vor, zunächst eine Preisobergrenze von 60 US-Dollar pro Barrel festzulegen. Der Preis soll nach Möglichkeit bereits von Montag an gelten. Zu den G7 gehören neben Deutschland auch die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Gruppe. Zuvor hatten Regierungsvertreter der EU am Freitag eine entsprechende Absprache erzielt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Je nach Geschäftsmodell ist es recht unterschiedlich, wie bereitwillig die Banken die höheren Zinsen der EZB an ihre Kunden weitergeben.

          Kaum Zinsen für Sparer : Die verpasste Zinswende

          Banken und Sparkassen werden beschimpft, weil sie zwar höhere Zinsen für Kredite verlangen – aber Sparern weiter fast nichts zahlen. Zu Recht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.