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Krieg mit Israel : Eingeschlossen im Gazastreifen

Nach der Abriegelung begann die Hamas, Tunnel unter der Grenze zu graben. Bild: AP

Vor sechs Jahren hat Israel als Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen alle Grenzübergänge dorthin geschlossen. Mit erheblichen Folgen. Wie Krieg, Isolation und Armut die Radikalisierung im Gazastreifen fördern.

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          An keinem anderen Ort des Nahen Ostens ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs so viel Krieg geführt worden wie im Gazastreifen. Mit dem Untergang des Osmanischen Reichs, zu dem Gaza gehört hatte, am Ende des Ersten Weltkriegs war das beschauliche Leben vorbei, das dort einst geherrscht haben mag. Von nun war der Streifen ein Spielball der Mächte. Erst gehörte es zu Ägypten, dann zu Israel – und keiner der beiden Staaten will es heute haben. Denn Israels Abriegelung hat die Bevölkerung Gazas radikalisiert und die bescheidene lokale Wirtschaft stranguliert. Von der Rolle des Handelszentrums, das Gaza in der Antike gewesen war, ist nichts geblieben. Damals hatten die Philister auf dem Gebiet des heutigen Gazastreifens gelebt. Sie haben Palästina den bis heute verwendeten Namen gegeben.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Als Gaza von 1920 an Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina wurde, hatten die Landwirte über den kleinen Hafen vor allem Zitrusfrüchte und Gemüse exportiert. Zwischen die Fronten kam der Gazastreifen mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg von 1948. Ägypten übernahm als Folge des Kriegs die Kontrolle über die 360 Quadratkilometer; der Gazastreifen ist damit etwas kleiner als das Bundesland Bremen. In dem bis dahin dünn besiedelten Gazastreifen ließen sich Hunderttausende Palästinenser nieder, die vor allem aus Jaffa und Umgebung hatten fliehen müssen. Von den heutigen 1,7 Millionen Einwohnern sind 1,2 Millionen Nachkommen der Flüchtlinge von 1948. Bis heute macht sich bemerkbar, dass die Gesellschaft von Gaza nicht über Jahrhunderte gewachsen ist.

          Bild: F.A.Z.

          In Gaza wurde 1948 unter ägyptischer Aufsicht die „Gesamtpalästinensische Regierung“ ausgerufen; sie wurde jedoch bald aufgelöst. Kairo verwaltete in der Folge Gaza direkt, annektierte den Streifen aber nicht. Die Bewohner blieben staatenlos. Mit seinem Vorgehen wollte Ägypten die Ansprüche der Haschemiten auf Palästina beschränken. Abdallah Bin Hussein aus der Familie der Haschemiten in Mekka war seit 1946 König über das spätere Jordanien. In jene Zeit reicht das Interesse der ägyptischen Muslimbrüder an Gaza zurück. Sie hatten 1947 einen „Heiligen Krieg“ für Palästina ausgerufen und ein Bataillon mit Freiwilligen gegründet, das nach Palästina entsandt werden sollte. 1987 wurde die Hamas als Zweig der Muslimbruderschaft gegründet.

          Israel besetzte den Gazastreifen zum ersten Mal 1956 kurzzeitig, im Jahr darauf trat es ihn nach internationalem Drucks wieder an Ägypten ab. UN-Blauhelmtruppen sorgten dafür, dass die Grenzkonflikte sich beruhigten. Im Sechstagekrieg von 1967 besetzte Israel die Halbinsel Sinai und abermals den Gazastreifen. Nach den Friedensgesprächen von Camp David 1978 gab Israel zwar den Sinai bis 1982 schrittweise an Ägypten zurück, behielt aber den Gazastreifen. 8000 israelische Siedler ließen sich auf einer Fläche von 40 Prozent des Streifens nieder. Ihr Siedlungsgebiet wurde von dem der Palästinenser streng abgetrennt, sie bebauten nahezu die gesamte landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Gazastreifens.

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