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Krieg gegen den IS : Welche Gefahr droht deutschen Soldaten?

Die Fregatte „Augsburg“ verlässt am 20. November ihre Heimat Wilhelmshaven, Kurs Mittelmeer. Bild: dpa

Beim Syrien-Einsatz der Bundeswehr denken viele an Afghanistan. Doch die Unterschiede zur Mission am Hindukusch sind erheblich. Eine Analyse.

          Der Bundestag hat entschieden: Bis zu 1200 deutsche Soldaten ziehen in den Krieg gegen den „Islamischen Staat“. So viele, wie in keine anderen laufenden Mission. Der künftig größte deutsche Militäreinsatz wirft die Frage auf, wie gefährlich der Auftrag für die Bundeswehrsoldaten werden könnte. Frisch sind noch die Erinnerungen in der Truppe an die Hochzeit des Afghanistaneinsatzes, wo erstmals ein deutscher Verteidigungsminister das Wort „Krieg“ in den Mund nahm.

          Karl Theodor zu Guttenberg hatte den bis dahin von seinen Vorgängern und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vermiedenen Begriff angesichts der Gefechte im Norden Afghanistans verwendet, in denen die Bundeswehr seinerzeit Attacken der Taliban abwehren musste. 54 Soldaten ließen ihr Leben am Hindukusch.

          Doch wer die wohl Anfang kommender Woche beginnende Mission der Bundeswehr als Kampfeinsatz titulieren will, muss aus militärischer Sicht schon einige Verrenkungen unternehmen. Die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) war vor allem eine Mission auf dem Boden. Ihre Soldaten bildeten die afghanischen Sicherheitskräfte der Regierung in Kabul aus, sicherten, kämpften im Land und boten dem mehr verdeckt als offen agierenden radikal islamischen Taliban stets eine Zielscheibe.

          Diese Gefahren bestehen für die Bundeswehr nun offenkundig nicht. Zwar verfügen die eingesetzten Kräfte qua Mandat grundsätzlich über „das Recht zur Anwendung militärischer Gewalt.“

          Doch kein deutscher Soldat betritt syrisches Terrain. Schießen oder gar Töten des Gegners IS ist nicht vorgesehen. Im Gegensatz zum Auftrag der Amerikaner, Franzosen, Briten, Türken und Russen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums fasst es gegenüber FAZ.NET so zusammen. „Das hier ist kein Kampfeinsatz.“ Warum?

          Die deutsche Fregatte „Augsburg“, die zur Sicherung des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ abgestellt wird, hat keinen natürlichen Gegner. Der „Islamische Staat“ grenzt nicht an das Mittelmeer. Er unterhält keine Schiffe und schon gar keine eigene Marine. Wer die Trägergruppe konkret bedrohen soll, bleibt ein Geheimnis.

          Auch für das deutsche Tankflugzeug des Typs Airbus A 310 MRT, das Kampfflugzeuge und Bomber als fliegende Tankstelle aus der Luft versorgen soll, besteht laut Auskunft der Luftwaffe gegenüber FAZ.NET „keine Gefährdung“ durch Attacken der Terrormiliz.

          Betankt werden die Kampfflugzeuge der Alliierten in Höhen zwischen 1.500 und 9.000 Metern bei einer Geschwindigkeit zwischen 370 - 560 Stundenkilometer. Anders gesagt: Die Tanker werden nicht über Raqqa oder Mossul kreisen, und sie sind auch zu hoch unterwegs, um durch Waffen der IS-Terrormiliz ernsthaften Schaden zu nehmen.

          Das größte Risiko: Technische Probleme

          Die „Tornados„ der deutschen Luftwaffe fliegen zwar ihre Missionen über dem Gebiet des „Islamischen Staates“: Allerdings erschöpft sich ihre Aufgabe darin, Aufklärungsdaten zu liefern. Dank neuer Technik heißt das für die Piloten, dass sie nicht mehr in geringer Flughöhe fliegen müssen, wo sie sonst zu einem leichten Ziel von Schusswaffen, Flugabwehrkanonen oder handgestützten Boden-Luft-Raketen des IS werden könnten.

          Die Aufklärungsflüge werden laut Angaben der Luftwaffe in Höhen zwischen 3.000 und 5.000 Metern erfolgen. Das präzisiert die „mittlere Flughöhe“, von der Generalinspekteur Volker Wieker am Donnerstag sprach. Auch hier gilt: Für IS-Kämpfer dürfte es schwierig bis unmöglich werden, die „Tornados„ mit Hilfe von Handfeuerwaffen oder schultergestützen Boden-Luft-Raketen zu treffen, zumal der „Tornado“ sich gegen anfliegende Raketen durch Täuschkörper wehren kann.

          Was als Risiko bleibt, sind mögliche technische Probleme, die „Tornado“-Piloten über dem „Islamischen Staat“ zu einem Verlassen der Maschine zwingen könnten, wie es einem jordanischen Piloten am Heiligabend des vergangen Jahres passierte. Moaz al-Kassasbeh wurde vom IS gefangen genommen und später in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib verbrannt.

          Allerdings versicherte Generalinspekteur Volker Wieker noch am Donnerstag, dass sich die 30 einsatzbereiten Tornados der Luftwaffe in einwandfreiem Zustand befänden.

          Unverändert ist die allgemeine Gefährdungslage der auf der Nato-Luftwaffenbasis im türkischen Incirlik eingesetzten deutschen Soldaten vor Terroranschlägen von Selbstmordattentätern des IS. Diese Gefahr allerdings unterscheidet sich spätestens nach den Pariser Anschlägen nicht mehr von der Gefährdungslage der Menschen in ihrer Heimat in Deutschland.

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