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Krieg am Golf : Streit über russische Waffenlieferungen

Dissonanzen mit Washington: Wladimir Putin Bild:

Wladimir Putin und George Bush haben in den vergangenen Wochen oft telefoniert. Das jüngste Telefongespräch war eines der unangenehmsten. Bush rief im Kreml an, um sich über angebliche Waffenlieferungen russischer Firmen an den Irak zu beschweren.

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          Wladimir Putin und George Bush haben in den vergangenen Wochen oft telefoniert. Das jüngste Telefongespräch war eines der unangenehmsten. Bush rief im Kreml an, um sich über angebliche Waffenlieferungen russischer Firmen an den Irak zu beschweren. Nach Angaben seines Sprechers Ari Fleischer war Bush besorgt über Informationen, nach denen russische Unternehmen in jüngster Zeit Rüstungsgüter an Bagdad verkauft haben, unter ihnen Störsender, welche die Navigation amerikanischer Kampfflugzeuge und Marschflugkörper beeinträchtigen. Putin habe versprochen, die Sache zu überprüfen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          In der Darstellung des Kremls verlief das Gespräch anders: Putins Sprecher Alexej Gromow sagte am Dienstag, der russische Präsident selbst habe das Thema angesprochen und "analoge Vorwürfe" gegen die Vereinigten Staaten erhoben. Worin die bestanden, sagte er freilich nicht. Putin habe jedenfalls die Anschuldigungen Bushs als grundlos zurück- und darauf hingewiesen, daß öffentliche Vorwürfe dem Verhältnis der beiden Länder Schaden zufügten.

          Kleine Störsender

          Das Weiße Haus hatte am Montag mitgeteilt, es verfüge über "glaubhafte Beweise", daß Rußland sensible Rüstungsgüter an Bagdad geliefert habe. Man habe mit den Russen seit einem Jahr darüber gesprochen, doch die jüngsten Erkenntnisse hätten es notwendig gemacht, die Sache an die Öffentlichkeit zu bringen, so der Sprecher des Weißen Hauses. Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf die amerikanische Regierung, es seien Störanlagen für die Elektronik amerikanischer Flugzeuge, Panzerabwehrraketen und tausende Nachtsichtgeräte von den Russen geliefert worden. Damit habe Moskau das Handelsembargo der Vereinten Nationen unterlaufen. Zudem würden russische Fachleute die Iraker in Bagdad unterrichten, wie die Störsender zu bedienen seien. Das amerikanische Außenministerium teilte mit, die beschuldigten Firmen hätten den Irak vor allem in den letzten beiden Wochen vor Beginn des Krieges beliefert. Die alliierten Truppen am Golf seien dadurch erheblich gefährdet.

          Als Lieferant der Störsender, die das für militärische Zwecke entwickelte Global Positioning System (GPS) - es wird über die Zeit- und Positionssignale von 24 Satelliten gelenkt - , "verwirren", wird das private Unternehmen Aviaconversia genannt. Die seit zehn Jahren bestehende Firma, die wenig Informationen über sich verbreitet, führt solche Störanlagen an erster Stelle ihrer Produktpalette auf. Schon 1997 hatte sie mit einem kleinen Störsender auf einer Rüstungsschau in Schukowskij in der Nähe Moskaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Damals hatte Firmenchef Antonow gesagt, man habe für die Anlagen, die man zusammen mit dem russischen Militär teste, schon zahlreiche Kunden im Nahen Osten.

          Die Störsender könnten das Positionsbestimmungssystem im Umkreis von bis zu 200 Kilometern lahmlegen. Antonow sagte jedoch nun, man habe niemals Störanlagen an den Irak verkauft; dort seien auch keine Fachleute der Firma tätig - solche Behauptungen seien "eine abermalige CIA-Operation". Vielmehr hätten vor allem die Amerikaner die Geräte gekauft, um deren Wirkung auf ihre Präzisionswaffen zu testen. Die Ergebnisse seine als beunruhigend eingestuft worden, da die Waffen dadurch ihre Präzision verlören. Der Firmenchef sagte, die Amerikaner selbst seien im vergangenen Herbst zu der Einschätzung gekommen, daß Aviaconversia keine Störsender in den Irak geliefert habe.

          Lieferung über Dritte?

          Er gab jedoch zu, daß der Irak sich solche Störanlagen auf anderem Wege besorgt haben könnte und daß es zahlreiche Länder und auch Zwischenhändler gab, die Störsender bezogen hätten: "Die ganze Welt kauft diese Geräte". Irakische Fachleute hätten auf Grundlage der Technologie der Firma eigene Störsender zusammen mit den Jugoslawen entwickeln können. Antonow gab gegenüber der Zeitung "Moscow Times" auch zu, daß die Produktion der Störsender nicht unter russische Gesetze falle, da die Firma zwar einen Sitz in Moskau habe, aber die Sender im Ausland gebaut würden - wo, verriet er allerdings nicht. Nach Angaben der kuweitischen Zeitung Al-Qabas hatte der Irak schon im Jahre 2000 Störsender von Aviaconversia genutzt, um amerikanische Flüge in der Sicherheitszone zu behindern.

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