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Kosovo : UN verschärft Sicherheitsvorkehrungen

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Nach der Ermordung eines Serben am orthodoxen Heiligabend nehmen die Spannungen in der Provinz Kosovo zu.

          In der hauptsächlich von Serben bewohnten Enklave Kosovska Vitina im Osten des Kosovo ist nach einem tödlichen Sprengstoffanschlag und heftigen Serbenprotesten seit Sonntagabend eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft. Darüber hinaus verschärfte die UN-Friedenstruppe die Sicherheitsvorkehrungen in der Provinz.

          Ausgelöst wurden die Proteste nach dem Anschlag auf einen serbischen Bäcker, der vor seinem Laden am orthodoxen Heiligabend am Sonntag getötet worden war. Der Nato-Oberbefehlshaber im Kosovo, Generaloberst Marcel Valentin, verurteilte den Anschlag und forderte die Bevölkerung zu Ruhe auf.

          Seitdem das Kosovo im Sommer 1999 unter UN-Verwaltung gestellt wurde, sind dutzende Serben getötet worden, zehntausende flohen aus der südserbischen Provinz.

          Serben drohen mit Boykott

          Die serbische Koalition für die Rückkehr, die drittstärkste Partei im Kosovo-Parlament, verlangte von der UN-Mission und den internationalen Friedenstruppen Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Kosovo-Serben. Ansonsten werde die Koalition die bevorstehende Parlamentssitzung boykottieren.

          Streit um Regierungsbildung

          Erst vor wenigen Tagen hatte der Beigeordnete UN-Generalsekretär für Friedenssicherung, Jean-Marie Guehenno, die Politiker im Kosovo zur Einigung auf eine Regierung aufgefordert. Sie sollten nach den Wahlen vom 17. November damit beginnen, die Institutionen zur Selbstverwaltung der Provinz aufzubauen, sagte der Franzose vergangenen Donnerstag in Pristina. Die in der UN-Resolution 1244 vorgeschriebene Selbstverwaltung des Kosovo wird wegen eines Streits der albanischen Parteien um die künftige Machtverteilung in der Regierung verzögert.

          Guehenno hatte auch angekündigt, dass der UN-Sicherheitsrat „bald“ einen neuen Sondergesandten für das Kosovo als Chef der UN-Verwaltung (UNMIK) benennen werde. Der Däne Hans Hækkerup hatte vor dem Jahreswechsel überraschend erklärt, er werde seinen Vertrag nicht verlängern.

          Auch OSZE ohne neuen Leiter

          Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat noch keinen neuen Leiter für ihre Mission im Kosovo eingesetzt, nachdem Daan Everts das Amt aufgegeben hatte. Die UN-Mission und die OSZE begleiten den Aufbau demokratischer Institutionen im Kosovo nach dem Krieg.

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