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Korea-Konflikt : Ernste Krise

  • -Aktualisiert am

Der Illusion, dass China nach dem Angriff auf ein südkoreanisches Kriegsschiff wirksamen Sanktionen gegen Pjöngjang zustimmen könnte, sollte sich niemand hingeben. Die Strafmaßnahmen, die Seoul nun verhängt, sind zumindest lästig für den Norden.

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          Das wird schwierig. Der südkoreanische Präsident verlangt von Nordkorea eine Entschuldigung für den Angriff auf ein südkoreanisches Kriegsschiff, das 46 Seeleute das Leben gekostet hat. Berechtigt ist die Forderung allemal. Aber Lee Myung-bak wird wissen, was er da vom Norden verlangt.

          Ein Regime, das seine Existenzberechtigung aus der gottgleichen Unfehlbarkeit seiner Führer zieht, kann nicht gut einen Fehler zugeben. Schon gar nicht kann es irgendwen öffentlich um Entschuldigung bitten. So etwas legt die Axt an die Wurzel des Staatssystems.

          Lästige Sanktionen

          Südkorea wird also nicht erwarten, dass seiner Forderung entsprochen wird. Trotzdem muss es sie erheben, denn es muss vor aller Welt klargestellt werden, wer die potentiell ernste Krise auf der Halbinsel verursacht hat. Die Sanktionen, die Südkorea nun verhängt, sind lästig für den Norden. Aber sie wahren auch die Verhältnismäßigkeit.

          Südkorea täte gut daran, seinen Bürgern in der Sonderwirtschaftszone Kaesong an der Grenze die Abreise zu empfehlen. Nordkorea scheut auch vor der Festnahme fremder Staatsbürger nicht zurück, wenn es sich in die Ecke gedrängt fühlt. Welchen Sinn Kaesong noch erfüllen soll, wenn Nordkorea auf Konfrontationskurs geht, ist zur Zeit nicht zu sehen.

          Bezeichnend ist die Haltung Chinas. Peking drückt sich bislang um eine Stellungnahme zu der nordkoreanischen Provokation. Das entspricht zwar einerseits chinesischer Tradition. Aber die Regierung hatte seit Ende März Zeit, sich zu überlegen, wie sie zu dem Vorfall steht. Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass China eine sehr spezielle Beziehung zum nordkoreanischen Regime hat, kann man, muss man von Peking verlangen, dass es den Angriff auf das südkoreanische Schiff eindeutig verurteilt.

          Der Illusion, dass China wirksamen Sanktionen gegen Pjöngjang zustimmen könnte, sollte sich niemand hingeben. Das wäre zwar eines seiner Verantwortung bewussten Staates würdig. Aber im Zusammenhang mit Nordkorea agiert China fast schon so wie bei seinen „nationalen“ Kernanliegen Taiwan und Tibet.

          Was sagt uns das über Chinas Zukunftspläne mit und in der Nordhälfte der koreanischen Halbinsel? Das ist eine Frage, die die südkoreanische Führung am Freitag dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao stellen sollte, wenn dieser nach Seoul kommt.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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