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Korea-Konflikt : Eine militärische Provokation

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Rätsel hat Nordkorea schon immer aufgegeben. Aber zurzeit ist die Lage in Pjöngjang besonders unübersichtlich. Nach der abermaligen militärischen Provokation wären deutliche Worte aus Peking vonnöten.

          Nordkorea bestreitet bis heute, dass es 1950 den Koreakrieg begonnen hat. Deshalb sollte man die Behauptung Pjöngjangs, am Dienstag habe der Süden zuerst geschossen, nicht ernst nehmen. Ernst ist allerdings die Lage auf der koreanischen Halbinsel, auch wenn der südkoreanische Präsident gesagt hat, seine Streitkräfte sollten eine Eskalation vermeiden.

          Das war vor allem deshalb vernünftig, weil das Regime im Norden offensichtlich durch nichts von seiner Überzeugung abzubringen ist, die Vereinigten Staaten und Südkorea hätten nichts anderes im Sinn als den Sturz Kim Jong-ils und seiner Anhänger. Ob es Lee Myung-bak gelingt, mit seiner Botschaft durchzudringen, ist eines der großen Rätsel in diesem Konflikt.

          Unübersichtliche Situation

          Rätsel hat Nordkorea der internationalen Gemeinschaft schon immer aufgegeben. Aber zurzeit ist die Lage in Pjöngjang besonders unübersichtlich. Kim Jong-il hat nominell weiter die unumschränkte Macht. Aber durch die Beförderung seines jüngsten Sohnes Kim Jong-un hat er signalisiert, dass auch seine Herrschaft endlich ist. Eine neue Führung hat sich aber noch nicht herausgebildet.

          In einem System wie dem nordkoreanischen führt eine solche Übergangssituation für die herrschende Gruppe zu einem Maß an Unsicherheit, die sich leicht durch irrationales Handeln nach außen einen Ausweg sucht.

          Die Präsentation einer Uran-Anreicherungsanlage vor einigen Tagen konnte noch als Versuch Nordkoreas gewertet werden, Amerika und andere nach bekanntem Muster wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen; doch die militärische Provokation passt nicht in dieses Bild. Eine Führung, die so etwas zulässt, kann eigentlich kein verlässlicher Gesprächspartner sein.

          Ignorieren kann man Nordkorea aber auch nicht. Zugang zu der hermetisch abgeschirmten Welt in Pjöngjang hat vermutlich nur China. Dessen öffentliche Äußerungen lassen zwar Beunruhigung erkennen. Aber eine (berechtigte) Verurteilung Nordkoreas war nicht zu erwarten.

          China könnte zumindest versuchen, Nordkorea aus der Isolation herauszuholen, indem es Pjöngjang klarmacht, dass zum Verhandeln Geben und Nehmen gehört. Aber wie soll ein Regime, dem eine Bunkermentalität selbst nicht fremd ist, ein in die Enge getriebenes anderes Regime davon überzeugen, dass eine Öffnung in dessen eigenem Interesse liegt?

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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