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Konvertiten : „Ick bin ein Muslim jeworden“

Moschee in Berlin: Immer mehr Deutsche treten zum Islam über Bild: picture-alliance/ dpa

Die Missionare des Islam werden lauter. Und die muslimischen Prediger haben Erfolg. Die Zahl der Konvertiten nimmt in Deutschland stetig zu. Bei weitem nicht alle, die sich bekehren lassen, sind von Wut oder Hass getrieben. Doch die Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Von Christoph Ehrhardt.

          Die Missionare des Islam werden lauter. Und die muslimischen Prediger haben Erfolg. Die Zahl der Konvertiten in Deutschland hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Zwar sind bei weitem nicht alle, die sich bekehren lassen, von Wut oder Hass getrieben. Doch die Sicherheitsbehörden warnen: Extremisten versuchen gezielt deutsche Konvertiten zu locken und zu radikalisieren. Männer wie der am Mittwoch festgenommene Fritz. G. sind unauffällig und nur schwer zu fassen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Pierre Vogel trägt bei seinen Auftritten oft traditionelle islamische Mode. Kaftan, Häkelkappe, Vollbart. Er spricht wie ein Moderator aus dem Musikfernsehen, nicht wie ein Geistlicher. Schon gar nicht wie ein Missionar. „Dann hoffen wir - Inscha Allah - dass Du in den Islam reinkommst“, sagt er mit rheinischem Akzent. Der junge angehende Muslim mit dem Bürstenhaarschnitt neben ihm, er ist etwa zwanzig Jahre alt, scheint etwas nervös zu sein. Vogel atmet demonstrativ durch. „Und dann - Inscha Allah - bist Du auf dem Weg ins Paradies.“

          Der frühere Boxer, der sich Abu Hamza nennt, assistiert bei der Schahada, dem islamischen Glaubensbekenntnis: „Es gibt keinen Gott außer Gott; Mohammed ist der Gesandte Gottes.“ In fließendem Hocharabisch spricht er vor. Der Konvertit spricht nach, mit deutschem Akzent. Ein dreifaches „Allahu Akbar“ im Anschluss, dann folgt eine lange Reihe von Umarmungen. Die Gemeinschaft der Muslime heißt ein neues Mitglied willkommen. Im Hintergrund ertönt der getragene Gesang eines Muezzins.

          Dem muslimischen Missionar Pierre Vogel gehen viele in „Netz”

          Einflussreiche Figur der Konvertitenszene

          Pierre Vogel ist eine der prominentesten - und nach der Einschätzung der Sicherheitsbehörden auch einflussreichsten - Figuren der deutschen Konvertitenszene. Spuren seiner Missionsarbeit finden sich zuhauf auf Videos im Internet: Junge Menschen beim Übertritt zum Islam, junge Menschen, die ihren Weg zum Islam beschreiben.

          Pierre Vogel studierte in Deutschland Islamwissenschaften. Das reichte ihm nicht. Er ging nach Saudi-Arabien an die Universität von Mekka, dorthin, wo ein puritanischer, der wahhabitische Islam gelehrt wird. Das Sendungsbewusstsein Vogels konzentriert sich ganz auf Konversionswillige und Gleichgesinnte. Mit Journalisten rede er nicht, sagt er, da habe er keine Lust zu, die verdrehten immer alles, man kenne das ja.

          Immer mehr Konvertiten

          Ist der Prediger so selbstbewusst, weil er den Zeitgeist auf seiner Seite weiß? Bei den Deutschen tut er sich noch verhältnismäßig schwer. Polen und Italiener ließen sich leichter bekehren, sagt er. Als kürzlich aber eine Studie des vom Bundesinnenministerium unterstützten Islam-Archivs in Soest an die Öffentlichkeit kam, war die Aufregung dennoch groß. Die Zahl der Konvertiten in Deutschland, hieß es da, habe sich 2005 im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. Rund 4.000 seien es gewesen, hieß es in der Studie, unter ihnen zunehmend solche, die sich nicht wegen der Hochzeit mit einem Muslim, sondern aus purer Überzeugung dem Islam zuwendeten.

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