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„Konrad Adenauer“ defekt : Die lange Pannenserie der Flugbereitschaft

  • Aktualisiert am

Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ Bild: dpa

Ein Defekt an der „Konrad Adenauer“ zwingt die Kanzlerin vor dem G20-Gipfel zum Warten. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass eine Regierungsmaschine ihren Fluggästen die Gefolgschaft verweigert. Eine Chronologie.

          Im Dezember 2004 fiel der Airbus aus, mit dem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck sich auf eine Ägypten-Reise begeben wollte. Da kein Ersatz verfügbar war, musste eine Notlösung gefunden werden: Struck flog schließlich in einer Luftwaffen-Challenger, der Journalisten-Tross folgte in einem Medivac-Airbus.

          Joschka-Fischer war im Januar 2005 auf dem Weg nach Thessaloniki, um an einer Holocaust-Gedenkfeier teilzunehmen. Die Reise an Bord einer Challenger dauerte für den damaligen Außenminister jedoch nur kurz. Nach fünf Minuten waberte Rauch durch Cockpit und Kabine der Maschine, auf dem Rollfeld des Flughafens Berlin-Tegel fuhr die Feuerwehr auf. Das Flugzeug landete im militärischen Teil des Flughafens, von den anderen Mittelstreckenjets der Bundeswehr war aber keiner verfügbar, um die angeschlagene Challenger zu ersetzen. Fischer ließ daraufhin eine kleine Cessna am 12 Kilometer entfernten Stadtflughafen Tempelhof chartern und setzte seine Reise fort – sein Ziel erreichte er mit 90-minütiger Verspätung.

          Es blieb nicht das einzige Flug-Abenteuer für Fischer: Wenig später musste er miterleben, wie auf einem Flug nach Madrid in 11.000 Metern Höhe die Außenschicht einer Scheibe barst.

          Ende August 2005 traf es dann abermals Peter Struck, wieder an Bord eines Luftwaffen-Airbus: Ein Triebwerk-Schaden zwang den Ex-Verteidigungsminister, seine Afghanistan-Reise zu verlängern. Allerdings im usbekischen Termes: Die grenznahe Stadt war Drehpunkt für den Truppen- und Materialtransport der Bundeswehr, Struck stieg dort nach der ersten Etappe seiner Reise in den Airbus um. Nach einer halben Stunde kehrte der Flieger um: „unnatürliche Vibrationen“ waren der Grund. Durch Vogelschlag beim Start waren einige Schaufelblätter im rechten Triebwerk verbogen. Um die Zeit zu überbrücken, gesellte sich Struck zu den in Termes stationierten Soldaten.

          Defekte Instrumente und Bremsen

          Strucks Nachfolger erging es nicht besser. Franz Josef Jung musste im Dezember 2005 wegen eines Defekts an einer Challenger der Bundeswehr-Flugbereitschaft auf ein Ersatzflugzeug ausweichen. Er war auf dem Rückweg vom Antrittsbesuch bei seinem britischen Amtskollegen Reid in London.

          Auch der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert geriet wegen einer Challenger der Flugbereitschaft schon in Turbulenzen. Auf dem Rückweg von einer Polenreise blieb Lammert im Februar 2007 in Warschau stecken, weil Instrumente der 20 Jahre alten Maschine versagten. Lammert stieg mit seiner Mannschaft auf einen Linienflug um.

          Heidemarie Wieczorek-Zeul hatte schon negative Erinnerungen an Aleppo, als der Syrische Bürgerkrieg die Millionenstadt noch nicht in Trümmer gelegt hatte. Im September 2007 blieb ihre Challenger in Aleppo liegen, weil die Bremsen defekt waren.

          Ex-Bundespräsident Horst Köhler wurde wenig später gleich zweimal an einem Wochenende Opfer von Ausfällen der altersschwachen Challenger. Erst kam das Staatsoberhaupt deswegen zu spät zu einer Geburtstagsfeier für Günter Grass, danach verpasste er die Verleihung des Deutschen Umweltpreises.

          Probleme trotz modernisierte Flotte

          Im September 2008 hing Köhler dann nach einem Besuch der Paralympics in Peking fest, diesmal aber dank des defekten Luftwaffen-Airbus‘ „Konrad Adenauer“, dem Vorgänger jenes Modells, mit dem Kanzlerin Merkel heute unterwegs ist. Köhler und seine 50-köpfige Delegation nahmen eine Linienmaschine der Air China.

          Auch Köhlers Nachfolger Christian Wulff hatte Probleme mit der „Konrad Adenauer“: 2011 strandete er mit der Maschine in Brasilien.

          Wenig amüsiert zeigte sich Kanzlerin Angela Merkel im August 2011, nachdem in Frankreich an einer Maschine ein Reifen geplatzt war und wenig später auch noch rauskam, dass die neue „Konrad Adenauer" nicht weltweit auf jedem Flughafen landen kann. Merkel war deshalb verärgert, weil die Flotte der Luftwaffen-Flugbereitschaft gerade erst modernisiert worden war.

          Danach hatte Merkel für einige Zeit Ruhe, bis im Oktober 2015 eine Reise nach Indien anstand und abermals einer der Airbus-Flieger streikte. Die Kanzlerin und ihre mitreisenden Minister flogen in einem Truppentransporter der Bundeswehr, der gewöhnlich Soldaten zu Übungen nach Amerika bringt oder zu Auslandseinsätzen Richtung Afghanistan.

          Der Ersatz vom Ersatz

          Kurz darauf, im November 2015, traf es Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf dem Weg zu einem Arbeitsbesuch nach Italien. Sein Airbus wartete an der Rollbahn in Berlin-Tegel auf Startfreigabe – als plötzlich der Bordcomputer ausfiel. Das Pikante: Die Maschine war schon Ersatz für den ursprünglich für diese Reise geplanten kleineren Airbus 319 – der aber einen Motorschaden hatte.

          Ursula von der Leyen wird ihre erste Dienstreise mit dem Militärtransporter A400M nicht vergessen haben. Im Februar 2017 versagte das Flugzeug der Verteidigungsministerin in Kaunas die Gefolgschaft. Der schon zuvor als Problemflieger aufgefallene Transporter konnte wegen eines Triebwerkschadens nicht abheben.

          Vor anderthalb Monaten setzte ein unbekanntes Nagetier Olaf Scholz zu. Der Finanzminister und seine Delegation konnten von einem Finanztreffen auf Bali nicht wie geplant mit der „Konrad Adenauer“ die Rückreise antreten, weil eine Ratte oder ein Marder – so genau weiß man das nicht – an Bord der Maschine gesichtet worden war. Schnell stellte sich heraus, dass das Tier auch Kabelverbindungen angenagt hatte. Das Flugzeug blieb auf einer Nachbarinsel zurück, Finanzminister Scholz musste auf einen Linienflug ausweichen.

          Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums hält an den Standorten Köln-Wahn und Berlin-Tegel insgesamt 16 Flugzeuge und Hubschrauber bereit. Acht davon werden in der Regel für Regierungsreisen genutzt, darunter zwei Airbus A340 für Langstreckenflüge bis 15 000 Kilometer und zwei Mittelstreckenflieger Airbus A319 mit einer Reichweite von 7600 Kilometern.

          Der Langstreckenflieger vom Typ Airbus A340-300 unter dem Taufnamen „Konrad Adenauer“ ist seit April 2011 im Dienst. Die Maschine wurde erst zehn Jahre als reguläres Linienflugzeug verwendet, bis es nach dem Erwerb durch das Verteidigungsministerium im Jahr 2009 innerhalb von 21 Monaten zum Regierungsflugzeug umgebaut wurde.

          Die zweite Langstreckenmaschine unter dem Taufnamen „Theodor Heuss“ ist ein Airbus A340-313 aus dem Baujahr 2000. Das Flugzeug wurde ebenfalls 2009 von der Flugbereitschaft gekauft und anschließend umgebaut.

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