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Nach den Kongresswahlen : Demokraten sehen doch noch „Blaue Welle“

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Eine Gemeinsamkeit gab es allerdings in allen Wahlkämpfen: überall dort, wo Weiße in der überwältigenden Mehrheit sind, kam der Erfolg für die Demokraten nur dort, wo Verluste unter Weißen ohne Collegeabschluss so gering wie möglich gehalten wurden. Insbesondere Männer ohne Collegeabschluss wählten 2016 Donald Trump – wie man sie wieder zurück gewinnen kann, ist eine der offenen strategischen Fragen. Zahlen der „Brookings Institution“ belegen, dass auch weiße Männer ohne Collegeabschluss bei den Midterms etwas weniger enthusiastisch für die Republikaner stimmten und etwas mehr für die Demokraten als bislang. Laut den Forschern halbierte sich der Vorteil der Republikaner bei Weißen insgesamt von zwanzig auf zehn Prozentpunkte Abstand, bei Menschen anderer Hautfarbe blieb er etwa gleich.

Das Mobilisierungs-Kalkül der Demokraten ging vielerorts auf: Unter allen Wählern waren so viele wie noch nie nicht weiß – 28 Prozent waren Schwarze, Latinos oder Asiaten. Bei den Wählern unter 29 Jahren machte dieser Anteil 38 Prozent aus – ebenfalls ein Rekord, der die demographischen Veränderungen zeigt und bestätigt, dass der auf Jungwähler gerichtete Aktivismus nicht ins Leere lief. Eine andere Gruppe, auf die die Demokraten besonderes Augenmerk richten, sind gut ausgebildete Frauen. Auch, wenn weiße Frauen vielerorts immer noch mehrheitlich die Republikaner wählten: unter weißen Frauen mit Collegeabschlüssen vergrößerte sich der Vorteil der Demokraten von sieben Prozentpunkten 2016 auf zwanzig Prozentpunkte 2018.

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Die Demokraten diskutieren nun darüber, mit welchen Inhalten und Kandidaten diese unterschiedlichen Gruppen zu beeindrucken sind – und ob man sich auch auf Kosten der Mobilisierung einer Gruppe auf eine andere verlassen sollte. Bei Twitter machte ein Duo als Kandidaten-Vorschlag besonders häufig die Runde: Joe Biden als konsensfähiger Kandidat einer gedachten „Mitte“ im Lande, zusammen mit Kamala Harris aus Kalifornien, die die progressiveren, nicht-weißen und weiblichen Wähler für sich gewinnen solle. Wie Harris fiel auch Amy Klobuchar zuletzt bei der Befragung von Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh bundesweit auf – Klobuchar gilt als mögliche jüngere Ausgabe des „Midwestern Nice“-Habitus, den viele Experten für eine entscheidende Zutat halten, wenn es darum geht, die dortige Mittelschicht zu gewinnen. In Umfragen unter demokratischen Wählern liegt jedoch Joe Biden als Wunschkandidat vorn, gefolgt von Bernie Sanders und Elizabeth Warren.

Ein Blick auf die Themen, die die „blaue Welle“ möglich machten, ist mindestens so aufschlussreich wie der auf die Kandidaten. Die strikte Trennung in „moderat“ und „progressiv“ geht da nicht auf – und das könnte eine Chance für 2020 sein. Denn auch die Kandidaten, die sich besonders für ein Lieblingsthema der Linken einsetzten, ohne sich selbst dieses Label zu geben, fuhren vielerorts sehr gut. Sie forderten nicht, das Modell der Senioren-Krankenversorgung Medicare auf alle Bürger auszuweiten, wie das etwa der linke Senator Bernie Sanders aus Vermont tut. Aber sie versprachen im Wahlkampf die Ausweitung von Medicaid, der Krankenversorgung für die Ärmsten. Ob Medicaid auf mehr Menschen ausgeweitet wird und die Bundesmittel dafür abgerufen werden, ist eine Entscheidung der Bundesstaaten. In Maine, Kansas und Wisconsin drehten sich die Wahlkämpfe um dieses Thema. Das Thema Krankenversicherung war vielerorts ein Gewinnerthema und könnte es auch in Zukunft sein.

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