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Konflikt in Mali : Deutsch-Nordwest?

Berlin tut gut daran, sich in Mali nicht in die vorderste Frontlinie zu drängen. Doch kann es Paris auch nicht gänzlich hängen lassen.

          Die Bundeskanzlerin kann vieles, aber das kann sie nicht: morgens vor die Presse treten und mitteilen, dass in der Nacht deutsche Kampfflugzeuge Stellungen von Aufständischen in, sagen wir: Namibia bombardiert hätten, weil dort ein neues Terroristennest im Bau sei und man überdies als ehemalige Kolonialmacht auch heute noch  Verantwortung für das frühere Deutsch-Südwestafrika trage.

          Dass die Kanzlerin deswegen den auch auf diesem Feld mit größeren Kompetenzen ausgestatteten französischen Präsidenten beneiden würde, ist nicht bekannt. Deutschland drängt es nicht danach, sich selbst und anderen gelegentlich zu beweisen, dass es wenigstens noch eine Militärmacht sei. Doch um die Antwort auf die Frage, ob und wie weit es seine Interessen zur Not auch mit Panzern und Kampfhubschraubern verfolgen solle oder gar müsse, kommt es bei aller Zurückhaltung nicht immer herum: Spätestens dann nicht, wenn mindestens ein enger Verbündeter diese Frage mit Ja beantwortet und sich somit zu den Kriterien, die bei einer solchen Entscheidung beachtet werden müssen, auch noch das Thema Bündnissolidarität gesellt.

          An diesem Punkt steht Berlin nun wieder, seit Paris nach langem Zögern in die Kämpfe zwischen der malischen Übergangsregierung und den islamistischen Rebellen aus dem Norden eingegriffen hat, und das beileibe nicht nur kolonialer Nostalgie halber. Ein Al-Qaida-Stützpunkt-Staat im Westen Afrikas stellte nicht nur für die Einwohner Malis und die Nachbarschaft eine Gefahr dar, sondern auch für Europa. Die Gründe, die den Westen dazu brachten, in Afghanistan zu intervenieren, sind auch in Mali gegeben. Doch wurden den Truppenstellern am Hindukusch blutige Lektionen erteilt, die beherzigt werden müssen.

          Die deutsche Weigerung, sich an den Luftoperationen über Libyen zu beteiligen, war eine Folge der in Afghanistan gemachten Erfahrung, dass sich kein Krieg, und wird er hundertmal „humanitäre Intervention“ genannt, an die Pläne und Vorstellungen jener hält, die doch nur helfen wollen: Auch zwischen den Vorgängen in Mali und Libyen gibt es Zusammenhänge, viele Waffen der Rebellen stammen aus Gaddafis Depots. Berlin tut gut daran, sich im Nordwesten Afrikas nicht in die vorderste Front zu drängen. Doch könnte es in Zeiten, in denen das deutsch-französische Verhältnis ohnehin schon schwierig ist, Paris gerade dann nicht gänzlich „hängen“ lassen, wenn Hollandes Feldzug zum Debakel würde.

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