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Jasper von Altenbockum (kum.)

Windkraft : Im Schneckentempo

Windkraftanlagen bei Hannover Bild: dpa

Deutschland nähert sich seinen Klimazielen nicht an, sondern entfernt sich umso mehr, je höher sie gesteckt werden. Wie genügend Leistung aus Windkraft hinzugewonnen werden soll, steht in den Sternen.

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          Die Windkraft ist zum wichtigsten Baustein deutscher Energiepolitik geworden. Ist er zu schwach, bricht alles zusammen. In den vergangenen Jahren hat sich das abgezeichnet. Der Ausbau an Land, der nötig wäre, um die geplante Abschaltung herkömmlicher Stromquellen zu kompensieren, blieb weit hinter den Zielen zurück.

          Tiefpunkt des Schneckentempos war das Eingeständnis, dass der Strombedarf auch noch falsch prognostiziert worden war. Die Zahlen, die der Bundesverband Windenergie jetzt veröffentlichte, zeigen: Deutschland müsste jährlich fünfmal mehr Strommenge aus Windkraft hinzugewinnen, um Kohle- und Atomausstieg und E-Mobilität zu vertragen.

          Die Interessen der Landbewohner werden hintangestellt

          Die Aufholjagd müsste drei Hindernisse überwinden: Bürokratie, Fläche und Umweltschutz. Die Bürokratie wird gern auf das Ausschreibungsmodell geschoben, das aber ersonnen wurde, um einer blinden Kostenexplosion Einhalt zu gebieten. Die Flächen sind rar, weil nicht überall effizienter Wind weht, Abstandsregeln zu Wohngebieten gelten und die Versiegelung der Landschaft vor Wäldern haltmachen sollte. Der Umwelt- und Artenschutz schließlich ist selbst den Grünen nur wirklich wichtig, solange er nicht klimapolitische Eilfertigkeit konterkariert.

          Dass es nicht die Bevölkerung sei, sondern die Politik, die den schleppenden Ausbau zu verantworten habe, ist ein Wahlkampfschlager der Grünen, der die Interessen der Städter goutiert, die der betroffenen Landbewohner aber hintanstellt. Die werden sich, so spricht es allerdings nicht nur aus dem grünen Wahlprogramm, einem Ausbau stellen müssen, in dem Bürgerinitiative zum Schimpfwort zu werden droht.

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          Große Hoffnung wird auf das „Repowering“ gesetzt, die Aufrüstung alter Standorte durch doppelt so hohe Anlagen, die weit mehr Leistung bringen. Reicht das aber angesichts der ehrgeizigen deutschen Klimaschutzziele? Verlaufen Ausstiege und Einstiege noch synchron? Was ist zu tun, wenn nicht? Ernst zu nehmende Antworten darauf wird es erst nach der Bundestagswahl geben. Selbst dann aber ist unsicher, ob wirklich ein stabiler Bau dabei herauskommt.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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