https://www.faz.net/-gpf-8n6ov

Terrorbekämpfung : Harmlos in der Talkshow

Wie weit darf die Verharmlosung des IS-Terrors gehen? So weit wie bei der RAF? Oder wie beim NSU? Oder wie bei „Anne Will“? Soviel ist klar: die Sicherheitsbehörden machen da nicht mit.

          Wenn schon das Erste Deutsche Fernsehen der vollverschleierten Werbung für den Terror des „Islamischen Staats“ ein Talkshow-Podium bietet, muss man sich ernsthaft fragen, ob es in Deutschland „gute“ Verharmlosung und „schlechte“ Verharmlosung von Terrorismus gibt. Dass es eine „gute“ gibt, konnte zwar schon immer am RAF-Terrorismus studiert werden, dessen Menschenverachtung in schlechter deutscher Intellektuellentradition mitleidig romantisiert wird. Man stelle sich Ulrike-Meinhof-Empathie einmal im Falle des NSU-Terrors vor.

          Aber wird nun auch schon der islamistische Terror medial verharmlost, weil die Ausgrenzung und Verfolgung seiner Sympathisanten, Schranzen und Zuträger als fremdenfeindlicher Kulturkampf gelesen werden könnte? Muss man diesen Leuten tief in den Sehschlitz schauen, um sie zu „verstehen“?

          Nein, man muss es nicht. Vielleicht lassen sich salafistische oder andere islamische Fanatiker noch einmal für diese, für die burkalose Welt gewinnen. Zu hoffen ist aber, dass möglichst viele der Glaubenskrieger, bei denen Hopfen und Malz verloren ist, überwacht werden, hinter Gitter kommen oder das Land verlassen müssen. Letzteres ist für die Regierungen in Bund und Ländern zwar nicht die erste Wahl, weil aus dem Ausland der durchaus berechtigte Vorwurf zurückkommt, sie exportierten damit den Terror und bürdeten anderen die Last der Terrorbekämpfung auf, die sie doch eigentlich selbst zu leisten hätten. Aber gibt es bessere Lösungen, wenn schon nicht gewährleistet wird, dass Extremisten erst gar nicht ins Land kommen?

          Die Verhaftung von fünf salafistischen Schleusern und „Seelenfängern“ nach langer Beobachtung durch Verfassungsschutz und Polizei zeigt: Verharmlosung kommt für die Sicherheitsbehörden nicht in Frage. Leute wie der Prediger „Abu Walaa“ haben dazu beigetragen, dass die Szene binnen kurzer Zeit in Deutschland sprunghaft größer geworden ist. In wenigen Jahren hat sich die Zahl der gewaltbereiten Salafisten verdoppelt. Der Krieg in Syrien, die Eindämmung des „Islamischen Staats“, das flächendeckende Scheitern der Arabellion haben dazu beigetragen – und auch die Herausforderungen der Freiheiten westlicher Gesellschaften an die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Die warten auf klare staatliche Kanten, nicht auf Talkshows.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Wer ist Boris Johnson? Video-Seite öffnen

          Schillernd und umstritten : Wer ist Boris Johnson?

          Der wirre Haarschopf ist unverkennbar: Boris Johnson liebt den großen Auftritt. Der Brexit-Hardliner ist eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Politik.

          Topmeldungen

          Hat sich zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato-Staaten bekannt: Annegret Kramp-Karrenbauer

          Akks Wehretat : Der Streit schwelt weiter

          Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bekräftigt das Ziel der Nato, dass die Verteidigungsausgaben steigen sollen. Das provoziert Widerstand – in der Opposition und selbst beim Koalitionspartner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.