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Klimawandel und „Haiyan“ : Spiel mit Katastrophen

Die Bemühungen um eine Eindämmung der Erderwärmung werden auch deshalb in immer neue Niederlagen getrieben, weil sich ihre Protagonisten in apokalyptische Reiter verwandelt haben.

          Politik sollte nicht mit Ängsten spielen, schon gar nicht mit Katastrophen. Es ist deshalb unvorsichtig und unangebracht, den Taifun „Haiyan“ dazu zu missbrauchen, der UN-Klimakonferenz in Warschau vorzuwerfen, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun. Den Opfern in den Katastrophengebieten muss schnelle und großangelegte Hilfe zuteil werden; die wird und sollte nicht aus Warschau kommen.

          In Warschau steht vielleicht wieder einmal eine der vielen Mammutveranstaltungen zur Klimapolitik bevor, die nicht viel mehr zuwege bringen als solche zweifelhaften „dramatischen Appelle“. Doch die Bemühungen um eine Eindämmung der Erderwärmung werden auch deshalb in immer neue Niederlagen getrieben, weil sich ihre Protagonisten in apokalyptische Reiter verwandelt haben. Zu den dürftigen Ergebnissen solcher Konferenzen kommt dann die Abstumpfung und der Widerwille gegen unseriöse, im Falle von „Haiyan“ muss man sagen: geschmacklose Effekthascherei.

          Ehrlich und verantwortungsvoll wäre es, wenn gerade jetzt und gerade in Warschau darauf hingewiesen würde, dass es einen simplen Zusammenhang zwischen „Monsterstürmen“ und dem Klimawandel nicht gibt; dass auch die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass deren Zahl zunehmen wird. Warum sollte es derzeit auch eine „Klimawandel-Pause“ geben, gleichzeitig aber immer mehr Klimawandel-Katastrophen?

          Dass die Menschheit als der Schuldige für Naturkatastrophen gebrandmarkt werden kann, ist die größte Verwirrung, die eine ideologisch aufgeladene, Ursache und Wirkung willkürlich verknüpfende Energie- und Klimapolitik bislang angerichtet hat. Nicht zuletzt deshalb gehört Deutschland aber zu den Ländern, die am meisten in der Klimapolitik tun (und wenig damit ausrichten können). Die Energiepolitik hat hier auf ähnlich irrationalem Wege, den bisweilen die Klimapolitik zurücklegt, den Konsens der „Energiewende“ hergestellt.

          Die Koalitionsverhandlungen in Berlin sind auf dem besten Wege, den gröbsten Unsinn zu beseitigen, der die erneuerbaren Energieträger zwar hochgepäppelt hat, aber Wildwuchs beförderte und mit Klimapolitik nur nebenbei zu tun hat. Kern dieses Kurswechsels ist die „Marktprämie“, die allerdings den Widerspruch schon im Namen trägt. Dennoch geht es damit in die richtige Richtung. Denn es bremst die apokalyptischen Reiter, die von der „großen Transformation“ unserer Gesellschaft träumen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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