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Katholische Kirche : Moralischer Bankrott

Benebelt: Kardinal Woelki am Fronleichnamsfest 2022 in Köln Bild: Imago

Dass man sich in Köln die Zeit unter Kardinal Meisner zurückwünschen könnte, war bis vor einigen Jahren nahezu ausgeschlossen. Doch sein Nachfolger Woelki hat auch das geschafft.

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          Als der vormalige Weihbischof Rainer Maria Woelki vor fast genau acht Jahren nach einem kurzen Gastspiel in Berlin als Erzbischof nach Köln zurückkehrte, galt er selbst vielen Geistlichen als gute Wahl, die ihn als getreuen Eckart des Kölner Kardinals Joachim Meisner erlebt hatten. Woelki, so der Eindruck damaliger Weggefährten, war in Berlin aus dem Schatten seines Mentors herausgetreten, ein innerlich freierer Mann geworden und offen für guten Rat.

          Mittlerweile liegen die Erwartungen in Trümmern, die sich damals an die Wahl durch das Domkapitel knüpften. Schlimmer noch: Mochte Meisner ein Despot gewesen sein (die „Brüder im Nebel“ tauchten erst nach seinem Tod auf), so war er doch für seine Priester immer ansprechbar und in seinen Umgangsformen recht verlässlich.

          Die Folgeschäden werden von Tag zu Tag größer

          Heute ist das Verhältnis zwischen dem Klerus und dem Kardinal so zerrüttet, dass manch einer sich die Meisner-Jahre zurückwünscht. Denn ein halbes Jahr nach der Rückkehr aus der „Auszeit“, zu der der Papst Woelki vergattert hatte, ist die Ahnung zur Gewissheit geworden, dass sich nichts verändert hat.

          Der „moralische Bankrott“, von dem drei Stadtdechanten sprechen, ist längst eingetreten. Die Folgeschäden werden von Tag zu Tag größer.

          Franziskus aber hält alle hin, als sei die Implosion einer der größten und wichtigsten Diözesen der Welt nicht mehr als ein Vogelschiss auf seiner blütenweißen Soutane.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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