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AfD-Spitzenkandidatur : Meuthens Mär von der Mäßigung

  • -Aktualisiert am

Freude über den Sieg im AfD-Mitgliedervotum: Alice Weidel und Tino Chrupalla Bild: AFP

Es ist eine Klatsche für Jörg Meuthen und eine Richtungsentscheidung für die AfD. Die Nominierung von Alice Weidel und Tino Chrupalla für die Spitzenkandidatur ist ein Sieg für die rechten Hardliner.

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          Wie schlecht Jörg Meuthen die eigene Parteibasis kennt, zeigt das Ergebnis der Mitgliederbefragung in der AfD über ihre Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl. Im Fußball würde man einen solch deutlichen Sieg der erklärten Meuthen-Gegner Alice Weidel und Tino Chrupalla über dessen Wunschduo Joana Cotar und Joachim Wundrak als Klatsche bezeichnen.

          Dabei hatte der AfD-Chef eigens eine Entscheidung auf dem Dresdener Parteitag verhindert und auf ein Votum der Basis gesetzt, die er in den mitgliederstarken westdeutschen Landesverbänden als mehrheitlich gemäßigt und für AfD-Verhältnisse gar bürgerlich einschätzte.

          Dass die größte Oppositionsfraktion im Bundestag nun mit Weidel und Chruppalla antritt, ist weit mehr als nur eine schwere persönliche Niederlage Meuthens. Die Entscheidung gerade für dieses Politiker-Duo stützt den schon von den AfD-Delegierten im Wahlprogramm beschlossenen rechtsradikalen Kurs auch personell in konsequenter Weise.

          Beide haben einen (Angriffs-)Pakt mit dem nur offiziell aufgelösten völkisch-rechtsextremen „Flügel“ Björn Höckes gegen das Meuthen-Lager geschlossen. Von der Höcke-Truppe durchgesetzte Programmpunkte wie den Austritt aus der EU oder das von der Bundeswehr verlangte Bekenntnis zu „deutschen Werten“ können Weidel und Chrupalla auch glaubwürdig und offensiv vertreten. Meuthens Mär von der Mäßigung der AfD löst sich in Wahlkampfluft auf.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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