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Spiderman-Kommentar : Außergewöhnlich

Wer keinen Anspruch auf Asyl hat, mag unter Umständen bleiben dürfen – das muss man aber regeln. Diese Grundfrage sollte weder dem Zufall überlassen werden noch ein Gnadenakt sein.

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          Wer ist nicht beeindruckt von der mutigen Tat des Mamoudou Gassama aus Mali, der ein Kind in Paris rettete, in dem er in Windeseile an der Fassade bis in den vierten Stock kletterte – während alle anderen zuschauten. Diese gefilmte Leistung führte ihn direkt in den Präsidentenpalast, wo ihm Macron die rasche Einbürgerung zusicherte. Zugleich machte das Staatsoberhaupt deutlich, dass das natürlich nicht für alle Landsleute aus Mali gelte – sie müssen weiter mit einer Abschiebung rechnen. Doch die vorbildliche Aktion, die Millionen gesehen hätten, rechtfertige diese außergewöhnliche Entscheidung.

          Die Botschaft: Man muss etwas leisten, um bleiben zu dürfen. Mit Asyl hat das nichts zu tun – denn das setzt politische Verfolgung voraus. Eher schon mit den Maßstäben klassischer Einwanderungsländer, die nach Bedarf und genauer Prüfung bestimmen, wen sie ins Land lassen. Für beide Wege gibt es gute Gründe. Und auch wer keinen Anspruch auf Asyl hat, mag unter Umständen bleiben dürfen – das muss man aber regeln. Diese Grundfrage sollte weder dem Zufall überlassen werden noch ein Gnadenakt sein.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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