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Kommentar zum Slomka-Gabriel-Gespräch : Vorbild für die Sportschau

Sigmar Gabriel hat zurückgebissen, wie man es sich von Fußballspielern wünscht. Aber auch die Fragen durften gestellt werden.

          Man kennt das zur Genüge: Dem Stürmer, der 90 Minuten gerackert hat, wird auf dem Gang in die Kabine das Mikrofon unter die Nase gehalten. „Das war nicht Ihr Tag, oder?“ Ein Wunder, wie höflich die Spieler bleiben. Sie sind eben Profis. Wie Sigmar Gabriel. Der musste sich nach einem anstrengenden Auftritt vor Parteigenossen Fragen zur verfassungsrechtlichen Zulässigkeit des SPD-Mitgliederentscheids anhören.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Fragen, die man stellen kann. Fragen, die man aber auch mit „Quatsch´“ oder „Blödsinn“ beantworten kann, wie das Gabriel tat. Der zudem versuchte zu begründen, warum ein Mitgliedervotum sogar geboten sein kann – immerhin müssen Parteien nach dem Grundgesetz demokratischen Grundsätzen entsprechen. Was freilich nicht notwendigerweise direkte Demokratie vorschreibt.

          Danach fragen darf man

          Aber natürlich kann man die Frage stellen, ob die Freiheit des Mandats von den Parteien, den Fraktionen eingeschränkt wird, erst recht durch ein als verbindlich beschriebenes Mitgliedervotum. Schließlich ist der Abgeordnete „Vertreter des ganzen Volkes“ und „an Aufträge und Weisungen nicht gebunden“. Ein imperatives Mandat ist damit ausgeschlossen. Allerdings wird dem Parlamentarier durch das Mitgliedervotum kein bestimmtes Verhalten befohlen. Das dürfte auch die Fraktions- oder Parteiführung nicht. Aber danach fragen darf man natürlich.

          Patzig antworten aber auch. Vor allem wenn der Politiker den Eindruck hat, die Fragestellerin lebe in einem anderen Orbit. Allerdings ist dieses unterhaltsame Gespräch zwischen Gabriel und Slomka auch kein Fall für die ZDF-Aufsichtsgremien; Slomka soll Gabriel, so Horst Seehofer, vorgeführt haben „wie einen Schulbuben“. Nun, auch das wäre Pressefreiheit. Aber es war eher umgekehrt. Gabriel hat unmittelbar nach seinem Auswärtsspiel zurückgebissen. So wie man es in der Sportschau auch gern öfter sehen würde.

          © ZDF

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