https://www.faz.net/aktuell/politik/kommentar-zum-rundfunkurteil-des-eugh-wer-mitheult-ist-blind-15940582.html
Jasper von Altenbockum (kum.)

Rundfunkbeitrag : Wer mitheult, ist blind

Juristisch ist der Feldzug gegen den „Staatsfunk“ am Ende der Fahnenstange angelangt. Politisch geht der zerstörerische Sturm auf die „Paläste“ aber weiter.

          1 Min.

          Nach dem Bundesverfassungsgericht hat nun auch der Europäische Gerichtshof den Rundfunkbeitrag für rechtens befunden. Gegner des Beitrags hatten in dessen Erhebung pro Wohnung und Betriebsstätte (statt wie früher pro Gerät) eine unzulässige staatliche Beihilfe im Sinne des EU-Rechts gesehen und entsprechend vor dem Landgericht in Tübingen geklagt. Das Gericht legte die Sache dem EuGH vor. In Luxemburg scheiterte die Klage.

          Das neue Verfahren, wie der Beitrag erhoben wird, sei wohlbegründet, urteilte das europäische Gericht: Es sei einfacher und entspreche der technologischen Entwicklung - die Gerät von heute sind etwas anderes als der Empfänger von früher. Auch das Argument, die Einnahmen hätten sich durch das Verfahren unzulässig erhöht, ließ das Gericht nicht gelten: eine wesentliche Erhöhung der Vergütung sei nicht zu erkennen.

          In dem Rundfunkbeitrag sei deshalb nur eine Fortsetzung der alten, auf das Gerät gerichteten Gebühr („GEZ-Gebühr“) zu sehen, mithin keine neu zu beantragende Beihilfe, heißt es in dem Urteil. Ob es sinnvoll sei, so und nicht anders vorzugehen, darüber hatte das Gericht nicht zu befinden.

          Der Feldzug gegen den „Staatsfunk“ und dessen „Zwangsabgabe“ mag damit juristisch am Ende der Fahnenstange angekommen sein, politisch ist er es noch lange nicht. Unterzugehen droht dabei, was die Deutschen am öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich haben. Über Inhalte lässt sich streiten, aber sind die der Privaten so viel besser?

          Der Beitrag von gut 17 Euro im Monat bringt den Sendern jährlich knapp acht Milliarden Euro ein. Vor allem die AfD bläst zum Sturm auf die „Paläste“ der Rundfunkanstalten. Es geht ihr dabei nicht um Sparsamkeit, Informationsfreiheit oder Vielfalt, sondern um den Sturz der „Systempresse“. Wer da mitheult, ist blind dafür, was ihn dann erwartete.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gibt es eine spezifisch weibliche giftige Komponente im Verhalten von Frauen? Oder wollen das nur beleidigte Männerrechtler so sehen?

          Toxische Weiblichkeit : Gefährlich für Männer oder Frauen?

          Bedeutet „toxische Weiblichkeit“ wirklich nur, dass Männer genauso Frauen zum Opfer fallen wie umgekehrt? Über eine Verhaltensweise, die Frauen in enge, unbequeme Rollen presst – wie Sexismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.