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Islamistischer Terror : Wider die Barbarei

Um an der „Mission“ des IS zu partizipieren, braucht es nicht viel. Der vergangene Freitag lieferte dafür ein schreckliches Beispiel. Bild: AP

Von einem „Krieg der Zivilisation“ zu sprechen, macht aus hemmungslosen Schlächtern mehr, als sie sind. Bei der Suche nach Antworten auf den Terror müssen sich die freiheitlichen Staaten von einigen Illusionen verabschieden. Sonst siegt die Barbarei.

          Von einem „Krieg der Zivilisation“ spricht der französische Premierminister. Das ist als Aufruf zur nationalen Geschlossenheit nach den Terroranschlägen in Frankreich und Tunesien verständlich - aber auch eine Verzerrung, die aus hemmungslosen Schlächtern mehr macht, als sie sind. Wer Mord zum Daseinszweck erhebt, der ist kein Kombattant, sondern ein Verbrecher; und wer Selbstporträts mit einem eigenhändig abgetrennten Kopf eines Opfers verschickt, der ist eigentlich ein Fall für die geschlossene Psychiatrie.

          Doch dieser Terror fordert Antworten: Auf militärische Mittel, wie sie der „Islamische Staat“ im Nahen Osten in großem Umfang einsetzt, muss militärisch reagiert werden. Seine zahlreichen Anhänger, die am Strand von Tunesien oder in den Straßen von Paris mit Kriegswaffen auf Zivilisten feuern, sind schwerer zu bekämpfen, ja sie sind zunächst kaum als Gegner auszumachen. So war der Attentäter von Frankreich früher im Visier der Behörden, dann aber irgendwann nicht mehr, sicher aus nachvollziehbaren Gründen. Denn es gibt keinen Generalverdacht, wohl aber einige gemeinsame Merkmale der Attentäter, die sich selbst als Gotteskrieger sehen. Aber was soll das für ein Gott sein, für den sie morden?

          Zu Recht hebt die französische Regierung hervor, das Land stehe nicht im Krieg mit dem Islam. Wie sollte ein solcher Krieg auch aussehen? Millionen Muslime leben friedlich in den westlichen Ländern wie andere Bürger verschiedenster Weltanschauungen auch. Der „Islamische Staat“ ist eine Terrororganisation, die sich den Namen einer Weltreligion gegeben hat. Aber dass die Anschläge überhaupt nichts mit irgendeiner Religion zu tun hätten, wie der französische Islamrat meint, widerlegt er selbst mit seinem Befund, das Bild des Islams sei sehr heruntergekommen. Und es geht nicht nur um das Bild. Jede Religion muss(te) sich von bestimmten Traditionen verabschieden, um mit Rechtsstaat und Demokratie kompatibel zu sein.

          Die freiheitlichen Staaten müssen sich auf der anderen Seite von einigen Illusionen verabschieden: etwa der einer unkontrollierten Aufnahme von Migranten und eines Bleiberechts für alle. Intoleranz gegenüber dem eigenen Land bei gleichzeitiger Toleranz mit seinen Feinden ist das Ende jeder Zivilisation. Dann siegt die Barbarei.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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